Katamaran

Futura 49: Eine Vision geht in Serie

Es ist schon vier Jahre her, dass der knapp 15 Meter lange Katamaran Futura 49 für Aufsehen in der Segler- und Konstrukteurs-Szene sorgte. Jetzt ist er ausgereift und geht in Serie.

Die Futura49 ist in der Kieler Förde optimiert worden. Foto Abratis

Die Futura49 ist in der Kieler Förde optimiert worden. Foto Abratis

Ein Fahrten-Kat mit hohem Wohnkomfort, der dazu noch schnell und sicher segelt und mittels einziehbarer Schwimmer seine seetaugliche Breite von acht Metern auf hafenfreundliche 4,80 Meter reduzieren konnte, war bis dahin noch nicht erdacht worden. Ausgerechnet die strukturgebenden Beams zu teilen und beweglich zu gestalten, löste Skepsis aus. Doch die Tests zeigten, die Idee von Deutschlands erstem Katamaran-Weltumsegler, Dr. Ernst Bullmer, wurde in dem Judel/Vrolijk-Design so umgesetzt, dass das Probesegeln zum Vergnügen und das Konzept mit Lob überhäuft wurde.

Auch vier Jahre später zieht die Futura 49 im Kieler Schwentine-Hafen immer noch die Blicke auf sich. Schiffbau-Studenten der benachbarten Fachhochschule recken gern den Hals, um dem Objekt, das mit der umlaufenden Fenster-Fassade wie eine Designstudie daherkommt, zu folgen.

Dass die Futura 49 seit ihrer Entwicklung noch nicht zum Höhenflug angesetzt hat und zum nachgefragten Charterboot geworden ist, liegt darin begründet, dass sich der Prototyp erst in der Praxis zu bewähren hatte und in diversen Punkten bis zur Serienreife optimiert werden musste.

Die Futura Yacht Systems GmbH unter Geschäftsführer Gerhard Euchenhofer, ein Neffe von Ernst Bullmer, holte die Hamburger Konstrukteure von iYacht und die Kieler Bootsbauer von Kepgo, Marc Stoffels und Florian Zimmermann, die sich auf Individuallösungen spezialisiert haben, an Bord. Viel frisches Wissen und eine Menge Kapital wurden in den Katamaran gesteckt, alle Systeme neu durchgespielt, der Katamaran von Bug bis Heck durchgecheckt. Die Anpassungen und Neuentwicklungen werden in die künftigen Serienbauten einfließen. Bei Polar Yacht Manufactory in Pärnu/Estland wird inzwischen mit der Fertigung der Rümpfe begonnen. Bis zum Sommer 2016 soll das erste Schiff fertig sein. Drei Bauten sind sicher, weitere Bestellungen angebahnt. „Wir sind glücklich, dass es endlich losgeht. Es war ein weiter Weg bis hierhin. Und es ist wichtig, dass sich die Boote nun endlich auf dem Wasser zeigen“, sagt Gerhard Euchenhofer.

Im Vergleich zum Prototyp hat die Serie eine Evolution durchlebt, das Grundkonzept bleibt indes erhalten. Es soll die Symbiose aus den verschiedenen Segelwelten sein. „Wir wollen ein komfortables, schnelles, sicheres und einfach zu handhabendes Boot bauen. Im Hafen schmal wie ein Einrümpfer, auf See schnell und sicher wie ein Katamaran“, so Euchenhofer.

Lebensmittelpunkt des Kats ist die rund 40 Quadratmeter große Wohngondel, die auf der Linearkonstruktion der Beams aufsitzt bzw. diese in sich aufnimmt. Die Gondel ist eine feste Einheit und bietet ein barrierefreies Areal ohne Schwellen und Stufen, das nahtlos in das Cockpit übergeht. Die zur Verfügung stehende Fläche im Innenraum wird je nach Einsatzzweck architektonisch frei zu gestalten sein – sei es als Eigner-Version mit großen Kabinen und einem an der Familie ausgerichteten Salon oder als Charter-Variante mit bis zu zehn Kojen. Die Freiflächen auf dem Deckshaus sowie in den beiden Cockpits im Bug- und Heckbereich der Gondel, plus der Seitendecks im ausgefahrenen Zustand der Schwimmer summieren sich auf weitere 88 Quadratmeter Fläche, die viel Platz zur Entfaltung bietet.

Ausgefeilt und verändert wurden einige Bereiche im Segel- und Technikbereich. So wird der Steuerstand auf der Flybridge im Serienbau erweitert und nicht mehr nur über die halbe, sondern künftig über die gesamte Breite der Gondel reichen. Das Layout der Schoten- und Fallenführung haben Stoffels und Zimmermann bereits auf dem Prototypen modifiziert, eine übersichtliche und nahezu einhand-taugliche Anordnung geschaffen. Auch dem Mast haben die Bootsbauer eine neue Neigung verpasst. So wanderte der Segeldruckpunkt weiter nach vorn, die Futura 49 lässt sich damit präziser und angenehmer steuern. Für die künftige Serie wird es auch einen kleineren Mast geben, um das Gefährt für Charter-Kunden kompatibel zu machen. Dass die Futura 49 trotzdem schnell unterwegs sein wird, bewies sie beim Probetörn. Selbst mit einem Reff im Groß beschleunigte sie auf Gennaker-Kurs schnell auf elf Knoten und am Wind auf über acht Knoten Speed. Und das alles kaum merklich. In stabiler Seitenlage zieht der Kat seine Bahnen, die Wellen quittiert er mit einem wohlwollenden leichten Nicken. Ein Wendemanöver absolviert die Crew spielerisch wie beim Autofahren.

Einen großen Beitrag zur leichten Radführung leistet auch die optimierte Gewichtsverteilung in den beiden Rümpfen. Die beiden 40-PS-Volvo-Maschinen im Heck sind mit den nach vorn gewanderten Diesel- (zweimal 280 Liter) und Wassertanks (800 Liter) so verteilt, dass das lediglich 8,3 Tonnen schwere Gefährt gut austariert auf dem Wasser liegt. In ihrem Zentrum bieten die Rümpfe dazu noch ausreichend Platz, um einen gesamten Fahrrad-Fuhrpark für die Crew oder Surf- und Kiteboards aufzunehmen. Und in der Serien-Version wird es gar eine kleine Skipper-Kajüte im Bug der Rümpfe geben.

Eine grundsätzliche Überarbeitung haben die Führungen der Beams erfahren. Anders als noch beim Prototypen werden sich die massiven Träger noch besser in das Gesamtbild integrieren. Auf 45 Grad abgewinkelt verlaufen sie nicht auf den Seitenrümpfen, sondern in sie hinein. Damit nehmen sie die Kräfte besser auf, reduzieren ihre eigene Verformung unter Druck. Zudem sind die Decks der Schwimmer damit frei von Barrieren, bieten beim Segeln eine sichere Lauffläche mit hohem Schanzkleid.

Neu durchdacht wurde auch die Einzieh-Mechanik der Beams. Von einer Wasser-Hydraulik wird auf Öl-Hydraulik-System gewechselt, das wegen der höheren Kompressionsfähigkeit des Öls weicher arbeitet. Der Schlitten der Beams greift jetzt in einer Omega-Form auf eine runde Laufschiene. „Damit lassen sich Torsionskräfte auf die Beams auffangen. Nach den ehemaligen Computerberechnungen hätte eine gängige Travellerschiene ausreichend sein sollen. Die Praxis hatte aber gezeigt, dass die Verwindungen so stark waren, dass die Kugellager dem nicht gewachsen waren“, berichtet Gerhard Euchenhofer.

Die Kinderkrankheiten der Futura 49 sind ausgemerzt, ist sich Entwickler Euchenhofer sicher. Nun geht es an die Vermarktung der Yacht. Und auch dafür hat Geschäftsführer Euchenhofer einige neue Ideen im Koffer, die die modulare Bauweise des Kats ermöglicht. Etwa Investmodelle, die zunächst eine Vercharterung und mit einem Wechsel der Wohngondel den Übergang in ein Eigner-Schiff vorsehen. Oder eine Umwandlung im Laufe der Jahre von einem Segel- zum Motor-Katamaran bis hin zum Wohnschiff.

Die Futura Yacht Systems GmbH will ihrem Namen gerecht werden und baut mit dem 49-Fuß-Kat, der in Glasfaser-Carbon-Epoxy -Bauweise besonders langlebig sein soll, an einem Boot der Zukunft.

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Veröffentlicht am : 01.02.2016