Interboot

Der Faszination Hochgeschwindigkeit erlegen

Der legendäre America‘s Cup setzt darauf, der Matchracing-Weltcup auch, von den Streckenrekordjägern ganz zu schweigen – Multihulls sind in. Denn Mehrrümpfer sind zumeist schneller als Einrumpfboote. Und der Faszination Geschwindigkeit kann sich kaum ein Segelfan entziehen, weder als Aktiver, geschweige denn als Zuschauer. Die modernsten Konstruktionen fliegen sogar auf Foils übers Wasser.

Die Mirabaud LX. Foto: mb-composite

Die Mirabaud LX. Foto: mb-composite

Ein Trend zu mehr Speed, dem auch die Interboot vom 17. bis 25. September Rechnung trägt. Der Multihull- Schwerpunkt ist in der Rothaushalle/A1 mit neuem Bühnenprogramm im Segel Kompetenz Center zu sehen.

Das wahre Gesicht zeigen die Zweirümpfer, sobald der Wind weht. Sofort springt ein Strandkat an und es braucht – je nach Größe des Kats und Mannschaftsgewicht – nur zwei Windstärken, bis sich der Luvschwimmer über die Wasseroberfläche hebt. Wegen der dann geringeren benetzten Fläche wird ein Mehrrumpfboot sofort schneller als eine Jolle. Segelexperten helfen bei Leichtwind durch Verlagern des Gewichts auf den Leeschwimmer nach. Am liebsten segeln die Kat-Freaks also auch nur auf einem Rumpf. Die besten Beispiele für einen gelungenen Kat-Einstieg liefert seit jeher die Topcat GmbH aus Gilching. Die Modellpalette beginnt bereits mit einem Kinderkat und reicht über die weltweit verbreiteten Schulungs- wie Regattakats K3 und K2 bis zum größten K1, den es auch als Raceversion gibt.

Das Erlebnis Geschwindigkeit ist Trumpf-As der Katamarane, aber auch der Trimarane, wenn es um größere, „bewohnbare“ Einheiten geht. Letztere haben die Dickschiffszene geradezu revolutioniert, denn sie sind faltbar, das heißt die beiden kleineren, äußeren Schwimmer lassen sich im Hafen oder für den Trailertransport heranklappen. Damit entfällt der oft genannte Nachteil der schwierigen Liegeplatzsuche aufgrund der verhältnismäßig großen Breite völlig. Und auch die Mobilität in punkto Revierwechsel ist sichergestellt. Ein Vorreiter auf dem Markt ist das dänische Unternehmen Dragonfly. Es zeigt in Friedrichshafen mit der 25 und der 28 gleich zwei hochmoderne Trimarane. Der Dragonfly 25 ist unter Segeln 5,80 Meter breit, mit eingezogenen „Flügeln“ jedoch nur 2,30 Meter. Ähnlich groß ist der vorteilhafte Unterschied beim Tiefgang. Die Schwerter reichen 1,50 Meter tief und ermöglichen schon bei mittleren Winden doppelt so hohe Geschwindigkeiten wie Einrumpfboote gleicher Größe. Hochgezogen sind es wiederum nur 35 Zentimeter, ideal zum Ankern oder gar Trockenfallen in seichten Buchten. Werftchef Jens Quorning und Steen Olsen haben mit der Dragonfly 28 eine echte Rakete entwickelt. Seit diesem Jahr gibt es den 8,75-Meter-Tri (segelnde Länge) in einer Performance Version mit einer speziellen, wellendurchschneidenden Rumpfform (Wavepiercing) und Kohlefaserrigg, die das Topspeedpotential auf gut 22 Knoten schrauben. Quorning: „Das ist gefühlt wie mit mehr als 200 Stundenkilometer auf der Autobahn.“

Die Foilingtechnik ist genau genommen nicht neu. Schon in den 60er-Jahren versuchten Tüftler mit dem später olympischen Tornado-Katamaran „Icarus“ abzuheben. Das gelang mehr schlecht als recht. Erst die Ultraleichtbauweise durch Kohlefasern machten die Boote immer leichter. Inzwischen ist dafür längst kein Millionenbudget im America‘s Cup mehr notwendig. Auch Strandkatamarane von nur fünf oder sechs Meter Länge können foilen – wenn die Crew es kann. Dabei beschränkt sich das Foilen keineswegs auf Mehrrumpfboote. Auch Einrümpfer werden zunehmend entsprechend ausgerüstet. Ein weltweiter Vorreiter soll die futuristische Quant 23 aus der Schweiz werden. Die Kombination aus seitlich ausfahrbaren DSS-Foils (Dynamic Stability System) und Auftrieb gebendem Foilerschwert ist ein technischer Leckerbissen und Hingucker. Dass es zum Fliegen übers Wasser im Grunde überhaupt keinen Rumpf mehr benötigt, haben die Technikgurus von mb-composite aus Yverdon/Schweiz bewiesen, die mit zwei Exponaten auf der Foiling Sonderschau zu finden sind. Bei der Mirabaud LX wurde auf speziellen Kundenwunsch „alles nicht zwingend Notwendige weggelassen“, so Konstrukteur Mathias Bavaud.

Die Interboot ist von Samstag, 17. bis Sonntag, 25. September 2016 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, der Interboot-Hafen täglich bis 19 Uhr. Die Halle B1 ist am Donnerstag zum Sunset Shopping bis 21 Uhr geöffnet. Die Interboot wird über den Eingang West an der Rothaushalle/A1 zugänglich sein. Bus Shuttles verkehren zwischen Bahnhof, Fährhafen, Messe-Hafen und den Parkplätzen an der Messe. Die Tageskarte kostet 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Die Familienkarte ist für 28 Euro erhältlich. Kinder zwischen sechs und 14 Jahren bezahlen 5 Euro. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.interboot.de.

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Veröffentlicht am : 06.09.2016