127. Travemünder Woche

Musto Skiffs: Ein großer Dank an Mama

Wer die Musto-Skiff-Segler auf dem Wasser beobachtet, bekommt den Eindruck, es müsse sich um besonders harte Typen handeln.

Klassenboss Max Döhler (links) freut sich, beim Grillabend der Klasse mit dem frisch gekürten Weltmeister Andi Lachenschmid feiern zu können. Foto: segel-bilder.de

Klassenboss Max Döhler (links) freut sich, beim Grillabend der Klasse mit dem frisch gekürten Weltmeister Andi Lachenschmid feiern zu können. Foto: segel-bilder.de

Allein an Bord bedienen sie das Groß, setzen und bergen den Gennaker und fliegen mit bis zu 20 Knoten über die Bahn – gelegentliche Abflüge inbegriffen. An Land jedoch ist die Musto-Skiff-Klasse eine familiäre Truppe, bei der jeder jedem hilft, sei es mit Trimm-Tipps oder der Organisation des Klassen-Grillens auf der Travemünder Woche.

Die improvisierte Begrüßungsrede zur kleinen internen Feierstunde der Musto Skiffs hat Max Döhler fast beendet, doch einer Person möchte der Boss der deutschen Klassenvereinigung noch danken – und das ist seine Mutter. „Sie hat heute Abend das gesamte Grillbuffet organisiert“, sagt Max, woraufhin „Max` Mum“ tosenden Applaus von den Seglern aus sieben Nationen erhält, die bei der 127. Travemünder Woche den Euro-Cup in dem rasanten Einhand-Skiff austragen. Auf dem Wasser geht es um die Wurst, an Land lebt die Truppe ein entspanntes Miteinander aus drei Generationen.

„Musto-Skiff-Regatten sind wie ein großes Freundestreffen“, sagt der Kieler Hannes Look, seit fünf Jahren in der Klasse aktiv. Götz Modersitzki aus Hamburg pflichtet ihm bei und ergänzt: „Im Gegensatz zu den olympischen Klassen ist das Segeln hier viel entspannter, der Ton auf dem Wasser kommoder.“

Dabei ist das Musto Skiff alles andere als gemächlich. Ursprünglich als neue Einmann-Klasse für die olympischen Regatten in London konzipiert, erreicht der Knickspanter aus der Feder des Kielers Joachim „Schappi“ Harpprecht unter Gennaker Geschwindigkeiten bis 20 Knoten und erfordert neben Balance, Bootshandling und seglerischem Können auch viel Übung. Zuerst sei er nur im Bach gelandet, berichtet Götz Modersitzki von seinen Anfängen mit dem Skiff auf dem Mühlenberger Loch. Gut, dass die Klasse immer mit Rat und Tat bereitsteht, um es Neueinsteigern so einfach wie möglich zu machen. Im Internet finden sich Lehrvideos rund um die Beherrschung des Musto Skiffs. Regelmäßig organisiert die Klasse Trainings, und die besten Segler geben ihr Wissen gerne weiter. Der Ex-Europameister, Frithjof Schwerdt aus Potsdam, hat kein Problem damit, auch potenzielle Konkurrenten auf seinem Skiff segeln zu lassen. „Nach dem Tausch war ich schneller unterwegs als Frithjof“, sagt Götz Modersitzki, „aber“, fügt er grinsend hinzu, „nach dem Manöver hatte er mich wieder.“

Knapp 80 Musto Skiffs segeln in Deutschland, die Hälfte von ihnen sind regelmäßig auf den Regattabahnen anzutreffen. Die Elite der deutschen Musto-Skiff-Segler kommt aus olympischen Bootsklassen. So segelte Frithjof Schwerdt zuvor im Laser-Kader, und der frische gekürte Weltmeister Andi Lachenschmid kommt aus dem 49er. Auf die Leistung des Augsburgers ist die ganze Klasse stolz: Nie zuvor hat ein Deutscher den Weltmeistertitel in einer Skiff-Klasse gewonnen. So widmet die Klasse den TW-Grillabend 2016 ihrem neuen Meister.

Der neueste hochkarätige Zugang stammt ebenfalls aus dem 49er: Elena Stoffers, die mit Steuerfrau Leonie Meyer bei der Olympia-Ausscheidung im 49er FX knapp unterlag, hat auf das Musto Skiff umgesattelt. In Travemünde ist Stoffers nicht dabei, ebenso wenig wie Cathy Ahlmann, die sich in der Babypause befindet. Die beiden eher zierlichen Frauen zeigen, dass Geschicklichkeit und Erfahrung im Musto Skiff mehr zählen als die reine körperliche Kraft – wobei Starkwind-Regatten wie die vergangene Kieler Woche doch so manchen Segler an seine persönlichen Grenzen bringen.

Die Travemünder Woche verspricht eher kommode Bedingungen für die Flotte der 35 Musto Skiffs und ist auch sonst „tausendmal geiler“ als Kiel, da ist sich die Runde um Hannes Look einig. „Hier am Mövenstein in Travemünde sind viele Musto-Skiff-Segler zu Hause. Sie haben nicht nur gute Tipps für das Revier, sondern stellen auch das nötige Werkzeug zur Verfügung, um kleinere Schäden zu reparieren“, sagt Hannes Look.

Auch Justo Martínez aus Mallorca zeigt sich begeistert vom Miteinander am Mövenstein. „Als ich vom Hamburger Flughafen hier ankam, hatten die Jungs das Boot schon hergebracht“, freut sich der Spanier. Er hat sich für den Eurocup ein Skiff geliehen und es mit eigenen Schoten, Fallen und Streckern sowie einiger Bastelarbeit an seine Bedürfnisse angepasst. Auch den Gennaker hat er mitgebracht – „der ging noch ins Handgepäck“. Auf dem Klassen-Grillabend macht der Mallorquiner Werbung für die Weltmeisterschaft der Musto Skiffs, die 2017 in der Bucht von Palma stattfindet. „Ein fantastisches Segelrevier, coole Partys und tolles Essen“ verspricht der Spanier für das Event – „hoffentlich hilft auch deine Mutter mit“, ergänzt Max Döhler und hat die Lacher auf seiner Seite. Denn ohne Familie und Freunde wäre es bei den Musto Skiffs nur halb so nett.

__Das Segel-Programm für den heutigen Samstag, den 30.Juli. __ Entscheidungen Meisterschaften Regatta 11 Uhr: WM: Splash Blue (Hotel) 11 Uhr: Euro Cup: Splash Red (Bahn Hotel) 11 Uhr: German Open: J/22 (Bahn Charlie)

laufende Wettbewerbe Meisterschaften 11 Uhr: IDM Masters: Laser Standard/Radial (Bahn Charlie) 11.30 Uhr: German Open: Musto Skiff (SAP Media Race Course)

Ranglisten-Regatta 11 Uhr: Formula 18 (Bahn Delta)

Seebahn 11 Uhr: OSC Up&Down (Seebahn)

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Veröffentlicht am : 30.07.2016