„Wappen von Bremen“

„Wer in Russland segelt, sucht das Abenteuer“

Mit der neuen „Wappen von Bremen“ setzte die Segelkameradschaft „Das Wappen von Bremen“ (SKWB) in diesem Sommer eine Idee um, die schon länger in den Köpfen der Beteiligten herumgespukt war: Einmal rund Skandinavien segeln, über die Nordsee, entlang Norwegen, über das Nordkap nach Russland und über das Weiße Meer, den Weißmeer-Ostsee-Kanal bis St. Petersburg.

Spannender Törn: Die Russland-Crew um Schiffer Carol Smolawa (l.) vor Solovetzky Kloster.

Spannender Törn: Die Russland-Crew um Schiffer Carol Smolawa (l.) vor Solovetzky Kloster.

Mit der Edinburgh-Regatta und zwei Törns nach Norwegen wurde das Vorhaben mit den Schiffern Winne Stoess, Michael Rapp und Hans-Hermann Siemers erfolgreich angegangen. Und zurück durch die Ostsee mit den Schiffern Max Kaulvers, Harm Müller-Röhlck und Otto Knechtel war die Route für die SKWB auch wieder vertraut.
Anders die Russland-Etappe: Erst seit 2012 ist es für nichtrussische Schiffe möglich, die russischen Binnenwasserstraßen zu befahren. Das alles und etliche Regularien musste der Schiffer der Russland-Etappe, Carol Smolawa, erst lernen; genau wie die Notwendigkeit, ein russisch sprechendes Crewmitglied an Bord zu haben. Auch die Brückenhöhen und Wassertiefen im Weißmeerkanal mussten mit russischen Behörden geklärt werden. Wenn die Formalien genau eingehalten werden, ist eine Segelreise nach Russland eine spannende Alternative zu den bekannten Segelrevieren. Bezeichnend ist der Kommentar eines russischen Kontaktes der SKWB-Crew: „Wer in Russland segelt, sucht das Abenteuer, nicht die Dusche“.
Auf der Nordroute über die Barentssee waren anfangs noch wenige Fischer zu sehen, dann graue See mit arktischem Wind und 7 bis 8° Lufttemperatur bei 4 bis 5° Wassertemperatur und Seenebel im Weißen Meer. Im Mündungsdelta von Archangelsk dann Mengen von geschlagenen Baumstämmen als riesige Flöße im Wasser oder hoch aufgetürmt am Ufer.
Ab Archangelsk lief die Kommunikation mit den Hafenmeistern, Schleusen- und Brückenwärtern nur noch auf russisch. Im Weißen Meer gibt es viele Buchten und Inseln, von denen die durch den Archipel Gulag bekannten Solowezki-Inseln angelaufen wurden. In Belomorsk ging es durch die erste von 19 Schleusen des 100nm langen Belomor-Kanals mit einer Hubhöhe bis zu 11m. Zwischendurch weitet sich der Kanal immer wieder zu Seenplatten mit bewaldeten Inseln, und bei freundlichen 18 Grad Wassertemperatur konnte dann auch geschwommen werden. Im Onegasee war nächstes Ziel die Insel Kishi mit ihren Zwiebeltürmen, die von fern wie ein Märchenschloss aussehen. In Petrosawodsk, der Hauptstadt Kareliens, konnte endlich Diesel gebunkert werden. Bestes Trinkwasser wurde mit Pützen in einem ausgewiesenen Gebiet des Onegasees geschöpft. Über den Fluss Swir mit zwei Schleusen und zwei nur einmal täglich nach Voranmeldung geöffneten Brücken ging es in den 120 Meilen langen Ladogasee mit Kurs auf Schlüsselburg, den Eingang zur Newa. Inzwischen gibt es auf der Ostseeseite von Petersburg mehrere Marinas, östlich kann man in der Newa nur vor Anker gehen. Die erste Newa-Brücke mit der zentralen Autobahn von Petersburg nach Murmansk musste für die „Wappen von Bremen“ geöffnet werden, was für die Petersburger ein Schauspiel war, da dies wohl nur sehr selten passiert. Darüber wurde dann auch in den Medien berichtet.
Das letzte Highlight der Reise durch Russland war die nächtliche Durchfahrt durch die für die „Wappen“ geöffneten Petersburger Brücken, vorbei an den angestrahlten Petersburger Prachtbauten. In Kronstadt wurde ausklariert und an die Folgecrew übergeben, nur Skipper Carol Smolawa musste bis Tallin an Bord bleiben, da der einklarierende Skipper auch die Ausreise übernehmen muss.
Nach der Strecke durch den finnischen Meerbusen und die Ostsee erreichte das Wappen dann im September wieder heimatliche Gewässer und konnte das Unternehmen „Skandinavien Rund“ erfolgreich abschließen.

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Veröffentlicht am : 19.10.2017