DSV Seglertag

Mona Küppers zur Präsidentin gewählt - moderate Beitragserhöhung beschlossen

Der Deutsche Segler-Verband hat erstmals eine Präsidentin gewählt: Ein halbes Jahr, nachdem Mona Küppers die kommissarische Führung des DSV übernommen hat, wurde sie mit großer Mehrheit in einer Kampf-Abstimmung gegen Oliver Kosanke offiziell zur neuen Vorsitzenden gewählt. In einem Seglertag mit intensiven Diskussionen beschlossen die Delegierten zudem eine moderate Beitragserhöhung.

Der bisherige Vorstand musste heikle Berichte vorlegen. Foto: Könitzer

Der bisherige Vorstand musste heikle Berichte vorlegen. Foto: Könitzer

Die einträchtige Stimmung, die es noch am Vorabend im Festsaal des Augustiner-Kellers unter den Delegierten gegeben hatte, war mit dem Beginn der Arbeitstagung schnell verflogen. Der bisherige Vorstand musste Berichte vorlegen, die zu viel Rumoren in den Reihen der Vereinsvertreter und deutlich formulierten Vorwürfen führten. Vor allem die Finanzsituation, die in diesem Jahr eine erhebliche Lücke ausweist, die nur durch eine Kreditaufnahme geschlossen werden konnte, sorgte für intensive Diskussionen. Im Frühjahr hatte diese Situation bereits zum Bruch mit dem vor vier Jahren gewählten Präsidenten Andi Lochbrunner geführt. Am 1. April hatte daher Mona Küppers das Amt der Präsidentin kommissarisch übernommen. Sie musste nun von einem Sachstand berichten, den sie selbst nicht zu verantworten hat. Vielmehr ist unter ihrer Führung der Konsolidierungskurs eingeschlagen worden. Das honorierten auch die Delegierten, die sie schließlich mit 3544 Stimmen gegenüber 1114 Stimmen für Kosanke zur Präsidentin wählten. In einer zweiten Kampf-Abstimmung wurde Torsten Haverland als Vizepräsident für Leistungs- und Wettsegeln in seinem Amt bestätigt. Er erhielt 3316 Stimmen, sein Gegenkandidat Jobst Richter 1344. Das Amt des Vizepräsidenten Breitensport, in das vor zwei Jahren Mona Küppers gewählt worden war, übernimmt nun Clemens Fackeldey. Ihm war Gabriela Thiele mit 2123 zu 2433 Stimmen unterlegen. Ohne Gegenkandidaten wurden einstimmig Andreas Löwe (Vizepräsident Umwelt und Recht) und Claus-Otto Hansen (Vizepräsident Finanzen) neu in ihre Ämter gewählt.

Das neugewählte Präsidium: (Foto: Könitzer)  CMK5550

Keine neue Satzung - abgemilderte Beitragserhöhung

Den Wahlen waren bisweilen sehr emotionale Beratungen vorausgegangen, in denen die Vereinsvertreter den Empfehlungen des bisherigen Vorstands – einschließlich der neu gewählten Präsidentin – nicht immer folgen wollten. So kam der Antrag des Präsidiums, der Seglertag möge die Neufassung der DSV-Satzung beschließen, nicht zur Abstimmung. Die Delegierten sahen die Zeit, um sich in die zum Teil erheblichen Änderungen und Zusätze in der Satzung einzuarbeiten, als zu kurz an und folgten dem Antrag des VSaW, die Satzungsänderung zu verschieben, mit 2945 zu 1810 Stimmen. Ebenfalls nicht dem Wunsch des Präsidiums entsprechend verlief der Antrag auf Beitragserhöhung. Nachdem seit 1992 der Erwachsenenbeitrag bei 10,23 Euro und der Jugendbeitrag seit 1996 bei 4,09 Euro verharrt hatten, wollte der Vorstand eine Erhöhung auf 13 Euro bzw. 5 Euro zum 1. Januar 2018 durchsetzen. In zahlreichen Wortbeiträgen wurde der deutliche Anstieg innerhalb der kommenden fünf Wochen moniert, der in den Vereinen wegen der eigenen bereits abgeschlossenen Budgetplanungen nicht mehr in den kommenden Jahresetat eingerechnet werden könnte. So folgte die Versammlung der Empfehlung des Seglerrates und dem Antrag des FSC, den Beitrag nur auf 12 Euro bzw. 4,50 Euro anzuheben, mit 3489 zu 1166 Stimmen.

Haushaltspläne für 2018/2019 durchgewunken

Mit dieser moderaten Beitragserhöhung wurde dann aber der darauf abgestimmte Haushaltsplan für die Jahre 2018 und 2019 mit deutlicher Mehrheit durchgewunken. Durch sparsames Agieren sollen die Haushalte der beiden kommenden Jahre wieder ausgeglichen sein, nachdem 2016 mit einer Deckungslücke von 120.000 Euro abgeschlossen wurde und 2017 nur durch Aufnahme eines Finanzbedarfs von 600.000 Euro ausgeglichen werden konnte. Durch diese unerwarteten Löcher in der Bilanz wurde eine heftige Debatte entfacht.

DSV fehlte in der Vergangenheit ein Controlling

Mona Küppers hatte in ihrem Bericht eingestanden, dass der Vorstand zum Beginn dieses Jahres von der Finanzsituation überrascht worden sei. Grund war ein fehlendes Controlling. Nachdem in 2016 wichtige Investitionen in die Zukunft mit dem Umzug der Abteilungen Leistung, Technik und Jugend nach Kiel, dem Neuaufbau der IT-Infrastruktur und dem Aufbau einer Kommunikationsabteilung getätigt worden sowie durch die Trennung von der STG GmbH erhebliche Kosten in der Rechtsberatung entstanden seien, waren die Kassen Ende 2016 leer. Doch, so Küppers, niemand habe aufgrund des fehlenden Controllings Alarm geschlagen. So seien die Kosten weiter davongelaufen. Nach intensiven Diskussionen habe Präsidium und Seglerrat dennoch beschlossen, an dem Investitionskurs festzuhalten, dafür aber einen Bedarf von zusätzlichen 1,2 Millionen Euro ausgemacht. Durch Überprüfung sämtlicher Posten, Herausarbeiten von Einsparmöglichkeiten und gestiegener öffentlicher Mittel sei dieser Bedarf für den DSV e.V und seiner beiden Tochtergesellschaften, der Service GmbH und der Marketing GmbH, inzwischen auf rund 600.000 Euro abgesenkt worden.

Kassenprüfer moniert vermeidbare Ausgaben

In seinem Bericht zur Kassenprüfung attestierte Prüfer Mathias Perret dem Verband zwar eine ordnungsgemäße Kassenführung und empfahl daher die Entlastung. Dennoch übte er heftige Kritik. So habe sich aus den Büchern eine Summe von 1,5 Millionen Euro an vermeidbaren Ausgaben ergeben. Allein auf 285.000 Euro summierten sich die Rechtsberatungskosten in Folge der Trennung von der STG. Die Beauftragung einer neuen Vermarktungsagentur habe weitere 180.000 Euro verschlungen – ohne jeglichen Erfolg bei der Sponsoren-Akquise. Der goldene Handschlag für den ehemaligen Generalsekretär, das Jahresgehalt für den für die verbandseigene Marketing GmbH angestellten Mitarbeiter sowie die Öffentlichkeitsarbeit habe den Etatansatz weiterhin deutlich überzogen. Sparsamkeit, so Perret, sei bei dem Präsidium nicht festzustellen, der einen sorgsamen Umgang mit den Mitteln forderte.

Für seine Kritik musste Perret aber selbst Kritik einstecken, denn für einige Delegierte hatte er mit seinem Kassenprüfungsbericht deutlich seine Kompetenzen überschritten – zumal sich die hauptsächliche Monierung der Finanzen auf 2017 und damit nicht auf den Prüfungszeitraum bezog. Perret wurde daher Polemik und Politik in Bezug auf die Vorstandswahl vorgeworfen. Aber auch andere Vereinsvorsitzende äußerten deutlich ihre Sorge über den Umgang mit den Verbandsfinanzen und forderten größere Transparenz ein.

Neue Präsidentin will Segelsport in allen Facetten vertreten

In ihrer Vorstellung zur Präsidentschaftskandidatin versprach Mona Küppers genau diese Transparenz, einen weiterhin sparsamen Umgang mit den Mitteln, der durch die Haushaltssperre eingeläutet sei. Die Neuaufstellung des Verbandes, die vor vier Jahren begonnen wurde, wolle sie zügig abschließen. Eine „Schwamm drüber“-Politik solle es mit ihr aber nicht geben. „Es kann nicht sein, dass sie sich für eine Mitgliedschaft im DSV rechtfertigen müssen“, so Küppers, die ihre große internationale Vernetzung zum Wohle des Segelsports in all seinen Facetten in die Waagschale warf. Nach der Wahl brach dann die Erlösung aus ihr heraus. Mit Tränen im Gesicht und stockender Stimme nahm sie die Wahl zur ersten gewählten Präsidentin des DSV an.

Das neu gewählte DSV-Präsidium:

Präsidentin: Mona Küppers

Vizepräsident Leistungs- und Wettsegeln: Torsten Haverland

Vizepräsident Umwelt und Recht (Syndikus): Andreas Löwe

Vizepräsident Finanzen (Schatzmeister): Claus-Otto Hansen

Vizepräsident Fahrtensegeln, Freizeit- und Breitensport: Clemens Fackeldey

Jugendobmann des DSV: Timo Haß

Obmann für Spezielle Segeldisziplinen: Walter Mielke

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Veröffentlicht am : 25.11.2017