Strandgut

Bauholz, Ü-Eier und Kriegsrelikte

Wenn das Wetter zum Jahreswechsel ein Omen für das Jahr 2017 sein sollte, können sich die Wassersportler warm anziehen: Die Orkantiefs „Antje“ und „Barbara“ zogen Weihnachten südöstlich von Island vorbei und bescherten der Nordseeküste stürmische Feiertage.

Eine Fahrwassertonne der Osterems bei Borkum hatte sich im Sturm losgerissen und trieb bis Wangerooge. (Foto: Theo Kruse)

Eine Fahrwassertonne der Osterems bei Borkum hatte sich im Sturm losgerissen und trieb bis Wangerooge. (Foto: Theo Kruse)

Nach Aufzeichnungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) bescherte „Barbara“ Pegelstände von teilweise über zwei Metern über dem mittleren Hochwasser. Auf Helgoland wurde Böen der Stärke 11 (über 103 km/h) gemessen.
Der Weihnachtssturm riss 16 Container von Bord der „Thetis D“. Die meisten mit Bauholz beladenen Stahlboxen, nämlich fünf, trieben auf Wangerooge an. Weitere Container landeten auf Spiekeroog, Langeoog und Norderney. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Wilhelmshaven ging zunächst von fünf vermissten Containern aus, die vermutlich in der Nordsee gesunken sind. Die Container, die dann im folgenden Sturm durch die Brandung am Deckwerk wie Schuhkartons zerlegt wurden, weckten die Begehrlichkeiten der Inselbewohner. Schönstes Bauholz! Wie viele Gartenbuden ließen sich daraus zimmern!
Aber da war dann doch das Hauptzollamt Oldenburg davor, das ein Verfügungsverbot erließ, da Einfuhren in die EU verzollt werden müssen. Bis 1990 galt für Strandgut und Seeauswurf das Strandrecht aus Kaisers Zeiten, das aber 1990 kassiert wurde. Heute gilt für alles was antreibt das Fundrecht. Demnach riskiert, wer Treibgut mitnimmt, eine Anzeige wegen Fundunterschlagung nach dem Strafgesetzbuch. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch darf sich nämlich ein Finder nur herrenlose Sachen aneignen, auf die der Eigentümer verzichtet hat. Verlorene Schiffsladung wurde aber in der Regel nicht aufgegeben – ein Finder muss dem Eigentümer oder den Behörden den Fund also anzeigen.
Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Wilhelmshaven hatte verfügt, dass die Container samt Inhalt zum 13. Januar von den Stränden geräumt sein mussten. Bis dahin hatte sich das Bauholz bereits über die ganze Jade verteilt. Auch die Inselfähre stellte zeitweise den Betrieb ein, weil Treibholz die Fahrrinne versperrte. Aber Holz vom Strand mitzunehmen, das ging auf gar keinen Fall! Das durfte nur die beauftragte Entsorgungsfirma, die die Ladung tonnenweise über den Festlandhafen Norddeich „entsorgte“. Den Amtsschimmel konnte man allenthalben wiehern hören.

Kaum hatte man die Bauholz-Flut zu Weihnachten gebändigt, war auch schon Ostern: Der dänische Containerfrachter „Munkebo Maersk“ verlor im Sturm „Axel“ vor den ostfriesischen Inseln fünf Container. In einem von ihnen befanden sich zehntausende Überraschungseier, die für Russland bestimmt waren. Deren Inhalt trieb auf Langeoog an. Dort empfand man die Überraschung als Umweltverschmutzung, galt es doch zu verhindern, dass die Spielzeugkapseln zurück ins Meer gespült wurden. Die Inselgemeinde setzte auf die Unterstützung der Kindergarten-Kinder und sammelte den Plastikmüll ein. Das Hauptzollamt Oldenburg ließ sich in diesem Falle allerdings nicht dazu hinreißen, von „Fundunterschlagung“ zu sprechen. Aber das wäre in diesem Fall auch nicht relevant gewesen, denn Kinder sind ja nicht strafmündig. Man hätte sie also kaum vor den Kadi gezerrt. Einen Tag später brach eine Star-Wars-Invasion über Langeoog herein: Lego-Figuren en masse. Das Spielzeug stammte vermutlich aus einem anderen Container, der aufgeplatzt war. Sogar auf Helgoland fand man den Plastikmüll. Schließlich sorgte die „Glovis Corona“ auf der Neuen-Weser-Reede nordwestlich von Wangerooge für weitere Schlagzeilen. Im Sturm war die Ladung verrutscht, und der Autotransporter hatte bedenklich Schlagseite. An Bord befanden sich etwa 1.800 Fahrzeuge, darunter schwere Lastwagen und mindestens ein Panzer. Das Schiff lief mit eigener Kraft nach Bremerhaven, wo es repariert werden sollte.

Und dann gab es noch einen brisanten Fund: Eine Ankertaumine aus dem Zweiten Weltkrieg trieb in der Nähe des Windparks „Godewind“ vor Borkum. Das Gewässerschutzschiff „Mellum“ des WSA Wilhelmshaven schleppte das explosive Teil in die Jade, weil sich auf hoher See die Sprengung nicht realisieren ließ. Auf einer Sandbank vor Horumersiel wurde sie dann unschädlich gemacht. Die deutsche Ankertaumine hatte nach Angaben des Havariekommandos in Cuxhaven eine Sprengkraft von 150 bis 250 Kilogramm. Sie wurde bei Niedrigwasser auf dem trockenen Watt kontrolliert zur Explosion gebracht. Experten des Kampfmittelräumdienstes hatten zuvor mit akustischen Signalen Tiere in der Umgebung vertrieben. Damit sollten Meeressäuger wie Schweinswale und Seehunde geschützt werden, die besonders empfindlich auf Unterwasserlärm reagieren.

Aber kann man nach den Wetterkapriolen zum Jahresauftakt nun schon in den Sommer blicken? Wohl kaum. Der „Hundertjährige Kalender“ hat allerhand an Aussichten zu bieten: Für den 24. Mai heißt es: „morgens frostig kalt“. Für den 2. Juni steht dort: „schönes Wetter“. Für Siebenschläfer vermerkt er: „Der Monat endet mit viel Regen“. Der Juli soll warm bis heiß werden, während für Mitte August bereits Nachtfröste angekündigt werden. Wie es tatsächlich wird? Abwarten! (tk)

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Veröffentlicht am : 27.02.2017