America's Cup

Team Oracle USA legt den AC-Kat zum zweiten Mal auf die Seite

Die Verteidiger des America's Cup, das Team Oracle USA, werden in der Vorbereitung für den 35. Cup vor Bermuda zu den Kenterkönigen. Nachdem sie am 8. April bereits einmal den Kat auf die Seite gelegt haben und sich dabei Teile des Wing-Segels beschädigten, kenterten sie am Mittwoch bereits zum zweiten Mal. Diesmal blieb aber alles in Takt, und es gab auch keine Verletzten.

Team Oracle USA legte sich am Mittwoch bereits zum zweiten Mal auf die Seite. Foto: Sam Greenfield

Team Oracle USA legte sich am Mittwoch bereits zum zweiten Mal auf die Seite. Foto: Sam Greenfield

In der heißen Phase der Vorbereitung zeigt sich immer mehr, dass die Foiling-Kats der AC-Klasse alles andere als leicht zu beherrschen sind. Fast alle Teams haben immer wieder mit Problemen zu kämpfen. Vor wenigen Tagen probten das Emirates Team New Zealand und Land Rover BAR jeweils unfreiwillig einen Nose-Dive, konnten aber Schlimmeres verhindern. Erst ein paar Wochen ist es her, dass Ainslie bei einem missglückten Anlegemanöver mit seinem Kat in den Steg krachte und sich dabei einen Bug beschädigte. Und immer wieder melden Crews beim Training „Mann über Bord“. Die Fliehkräfte, die schnellen Bewegungen der Boote oder das abrupte Abstoppen, wenn ein Bug unterschneidet, sind von den Männern kaum zu beherrschen, wenn sie sich frei auf dem Trampolin bewegen. Daher sind die Manöver, bei denen die Seite gewechselt werden muss, immer wieder kritische Momente. Softbank Team Japan und Groupama France mussten daher bereits Trainingsfahrten unterbrechen, um Crewmitglieder wieder einzusammeln.

Offenbar besonders hart am Limit agiert aber das Team Oracle USA. Im Februar wurde Graeme Spence nach einem Eintaucher zwischen die Rümpfe geschleudert und blieb nur wie durch ein Wunder unverletzt, da er weder von den Rümpfen, den Beams noch von Schwert und Ruder getroffen wurde. Am 20. April schoss Jimmy Spithill beim Seitenwechsel nach einer Wende in bester Slapstick-Manier über seinen Arbeitsplatz hinaus und landete neben dem Boot im Wasser.

Und jetzt mussten die Amerikaner ihre zweite Kenterung innerhalb weniger Wochen verkraften: In den Test für die Vorstartphase hob der Bug des Luv-Rumpfes nach einer Halse und zu hartem Anluven ab, der Leerumpf sackte am Heck ab und der Kat war nicht mehr zu halten. Schnell waren drei Sicherungsboote zur Stelle und innerhalb von drei Minuten wurde der Foiling-Kat wieder aufgerichtet.

In der verbleibenden Wochen vor dem Start in die Round Robins wird allseits offenbar hart an den Manövern, am Trimm und auch an den Kraftmaschinen gearbeitet. Denn allen ist klar, dass der Weg zum Cup nur über möglichst lange Flugphasen führt. Das Team, dem es gelingt, den Kat während der gesamten Regatta nichts ins Wasser eintauchen zu lassen, das hat beste Siegchancen. Daher muss immer Druck auf den Hydraulik-Pumpen herrschen, um alle Systeme zu bedienen. Denn vom Steuermann über die Bedienelemente an seinem Rad und den Trimmer sind ständige Korrekturen an den Einstellungen der Wings und der Foils vorzunehmen. Daher sind vier Mann an Bord praktisch pausenlos damit beschäftigt, über die Grinder Druck aufzubauen. E

Emirates Team New Zealand setzt dabei als einziges Team ausschließlich auf die Beinkraft der Athleten, indem es Pedal-Grinder installiert hat. Inzwischen wurde auch beim Oracle Team USA ein Fahrrad-Grinder entdeckt. Der sitzt allerdings anders als bei den Neuseeländern im Heck des Bootes und dient lediglich als Ersatzgrinder, wenn Taktiker Tom Slingsby aus Gründen der Gewichtsverteilung hinter dem Steuermann agiert.

Spannend wird auch sein, wie sich die scheinbare Performance aus den Testregatten in die echten Matches übertragen lässt. Während das schwedische Artemis Racing Team mit gestärktem Selbstvertrauen in die Rennen gehen kann, da es in den Probewettfahrten Sieg an Sieg reihte, rätseln die Experten über den Leistungsstand der Briten. Das Team von Ben Ainslie hat mit dem neuen Kat bisher nicht die Leistungen gebracht wie bei der AC World Series in den vergangenen beiden Jahren. Die Frage ist nun: Pokert der Favorit und will die Konkurrenz in Sicherheit wiegen oder ist „Rita“, das Boot der Briten, technisch doch nicht so ausgereift wie das der anderen Teams?

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Veröffentlicht am : 11.05.2017