Rekord-Regatta

„GER“-Sieg bei der 49. Barcolana vor Triest – 2101 Yachten am Start

Sie bricht alle Rekorde: Die Barcolana von Triest ist die Regatta mit dem größten Feld an einer Linie. Und die 49. Auflage stellte noch einmal alles in den Schatten. 2101 Yachten gingen auf den 13 Seemeilen langen Kurs. Nach einer Stunde, 12 Minuten und 17 Sekunden kreuzte die „Spirit of Portopiccolo“ die Ziellinie. Ein Sieg auch mit deutschen Wurzeln: Die Erfolgsyacht ist die Ex-„Morning Glory“.

Mit einem großen Empfang im Ziel wurde die "Spirit of Porto Piccolo" gefeiert. Foto: ra

Mit einem großen Empfang im Ziel wurde die "Spirit of Porto Piccolo" gefeiert. Foto: ra

Die italienischen Fans waren aus dem Häuschen. Hunderte standen auf den Kais und fieberten dem Zieleinlauf direkt vor dem Hafen entgegen. Einige schickten auf den letzten Metern der „Portopiccolo“ noch Stoßgebete in den Himmel, hielten den Atem an, als die – zugegeben nur schwachen – Böen die 86-Fuß-Yacht leicht auf die Seite legten. An der Ziellinie wartete ein Schwarm von Motorbooten und kleinen Yachten, um den Siegern einen Empfang zu bereiten, der anderenorts wohl nur erfolgreichen Weltumseglern zu teil wird. Und einer Erlösung gleich vollendete die heimische Yacht den Triumph: Elf Minuten vor dem nächsten Verfolger ging sie in der leichten Brise an einem sonnigen Oktobertag über die Linie – umtost von „Bravo-Bravisimo“-Rufen, einem Konzert aus Typhonen und einem kleinen Feuerwerk. Stolz stellte sich die 30-köpfige Crew, die vorrangig aus der Triester Umgebung stammt, an der Reling auf und nahm die Ovationen der Massen entgegen.

Nach 2016 haben die Brüder Furio und Gabriel Benussi die Prestige-Regatta zum zweiten Mal gewonnen. Im vergangenen Jahr siegten sie noch mit dem gecharterten 100-Fuß-Maxi „Alfa Romeo“, jetzt brachten sie die 14 Fuß kürzere „Spirit of Portopiccolo“ an den Start, benannt nach dem noblen Heimathafen, nur wenige Kilometer von Triest entfernt. Die Yacht hat bereits eine erfolgreiche Vergangenheit. Hasso Plattner ließ sich den Maxi einst bauen, und die „Morning Glory“ gewann unter anderem das Rolex Middle Sea Race – 2006 nach berechneter und 2013 nach gesegelter Zeit. Jetzt sind die Benussis die Eigentümer der Yacht, und gerade das macht ihren Sieg um so süßer: „Letztes Jahr haben wir als Herausforderer gewonnen, diesmal als Titelverteidiger. Das hat noch einen ganz anderen Stellenwert“, sagte Steuermann Furio Benussi, und Taktiker Gabriel fügte an: „Dies ist das zweite Mal in Folge, dass ich die Barcolana gewinne, für Furio ist es bereits das dritte Mal. Die Regatta aber auf dem eigenen Boot zu gewinnen und nicht auf einem gecharterten wie im vergangenen Jahr, macht es noch einmal besonders. Heute feiern wir und morgen werden wir hart für die nächste Barcolana arbeiten.“

Die Barcolana ist ein Phänomen. 1969 wurde sie das erste Mal gestartet. 51 Yachten gingen damals auf den Kurs. Seitdem hat sich die Regatta zu einem Event entwickelt, wie es wohl einmalig ist. Auf einer mehrere Kilometer langen Startlinie wird die gesamte Flotte der über 2000 Yachten zwischen 6 und 26 Metern Länge pünktlich um 10.30 Uhr auf den Kurs geschickt. Im Pulk herrscht ein Betrieb wie zur Hauptverkehrszeit im römischen Stadtverkehr. Wohl dem, der vor der Rushhour über die Linie kommt, oder demjenigen, der ein ausreichend großes Boot hat, um sich durch die Kreuzseen und Abwinde der Konkurrenten zu arbeiten. Wie die „Spirit of Portopiccolo“, deren Mast den aller anderen Boote deutlich überragt. Und so ziehen die Benussi-Brüder mit ihrer Crew unaufhaltsam an der Galerie der anderen Yachten vorbei, sind an der ersten Bahnmarke an der Spitze und lassen sich diese Platzierung nicht mehr nehmen. Länge läuft, und die Größe entscheidet das Rennen. Taktisch bietet der Kurs, der in jedem Jahr identisch ist, kaum Herausforderungen. Der Schlag zur erste Marke ist ein langer Anlieger. Danach geht es unter Spinnaker auf die beiden nächsten Schenkel. Lediglich die letzten Meilen zum Ziel erfordern noch ein paar Kreuzschläge. Mit gutem Vorsprung und abseits des Verkehrs ist es einfach, die langsamere Konkurrenz in Schach zu halten. Sportlich ist die Regatta von fraglichem Wert, doch in Italien ist dieser Sieg mit reichlich Prestige garniert.

Die Medien springen auf das Großereignis in breiter Front an. Der öffentlich-rechtliche Sender RAI ist der Hauptmedienpartner, überträgt das Rennen live. Hubschrauber kreisen über dem Feld, mobile Studios sind im Hafenbereich aufgebaut, Experten geben ihre Einschätzung für diverse Radio- und TV-Stationen. Die Bilder dieser kleinen Regatta, die zum Massen-Ereignis wurde, gehen um die Welt. Über 2000 Yachten an einer Startlinie gibt es sonst nirgends. Und im Schlepptau dieses Rennens, das stets am zweiten Sonntag im Oktober ausgetragen wird, hat sich eine Vielzahl weiterer Regatten und Ereignisse etabliert. Am ersten Oktober-Wochenende segeln die Optimist ihre Jugend-Barcolana, mit inzwischen ebenfalls über 300 Startern. Die M32 haben Triest in ihren Kalender für die Mediterrean Sailing Series integriert, die J/70 tragen einen eigenen Cup aus, die Moth zeigen "Flug"-Künste. Klassische Yachten sorgen bei einer Runde durch den Hafen für tolle Anblicke, die „Barcolana by Night“ befeuert am Vorabend des zentralen Ereignisses schon einmal die Stimmung. Es wird gerudert, geschwommen und auf SUP-Boards gepaddelt. Und LandRover nutzt die Barcolana als Präsentationsfläche für ihre neusten Fahrzeuge und das AC-Team. Eine große Lounge ist im Hafenvorfeld aufgebaut, auf einer Teststrecke kann die Geländefähigkeit der Fahrzeuge getestet werden, Partner und Presse bekommen einen kurzen Foiling-Ausflug auf dem AC45 das LandRover BAR-Teams geboten.

Daneben gibt es Kunst- und Kochevents. Und natürlich ist entlang der Ufer eine 17.000 Quadratmeter große Eventmeile aufgebaut mit Pagoden, Essen, Trinken und Disko wie zur Kieler Woche. Rund 300.000 Besucher strömen allein am Samstag vor dem Yacht-Rennen durch die Straßen der Stadt – rund ein Zehntel davon sind selbst Teilnehmer.

Die Barcolana hat sich zum größten Ereignis in der Region entwickelt, und erhält entsprechend Unterstützung von der Politik. Die Präsidentin der Region Friaul Julisch Venetien, Debora Serracchiani, ließ es sich nicht nehmen, selbst auf einem Boot der Organisation auf das Wasser zu gehen und das Rennen zu beobachten. „Es war wieder ein tolles Gefühl, an einem Tag, der für das Rekordrennen nicht besser hätte sein können. Die Barcolana ist ein Ereignis, das weit über die Region hinaus geht und international die maritime Berufung von Triest widerspiegelt. Mit Rückenwind gehen wir nun die 50. Ausgabe im kommenden Jahr an.“

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