EM der 49er, 49er FX, Nacra 17

Ein langer Tag mit coolem Ergebnis

Schwache und dann auch noch drehende Winde verlangten den Teilnehmern an den Europameisterschaften im 49er, 49er FX und Nacra 17 alles ab. „Der Wind ist so anders, eigenartig. Es ist eine komische Windrichtung und so instabil“, beschrieb 49erFX-Steuerfrau Victoria Jurczok (Kiel) das Geschehen am vierten Tag der EM (27. Juli bis 4. August).

Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) haben mit einem Sieg in der dritten Wettfahrt am Mittwoch den Bronze-Platz erobert. Foto: Pedro Martinez/Sailing Energy

Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) haben mit einem Sieg in der dritten Wettfahrt am Mittwoch den Bronze-Platz erobert. Foto: Pedro Martinez/Sailing Energy

Von einem Heimvorteil in Kiel wollten die deutschen 49er-FX-Crews daher auch nichts wissen. So wurde es eher der Tag der Fehlstarts sowie der stetig bis auf fünf Knoten abnehmenden und drehenden Winde.
Schon morgen soll es ganz anders aussehen. Denn für Donnerstag sind bis zu 35 Knoten angesagt. Diesen Tag haben die Athleten noch, um sich für das Medal Race, das am Freitag ab 12 Uhr im Theater Style ausgetragen wird, zu qualifizieren. Die besten acht Nacra 17 Full-Foiler und die besten zehn 49er sowie 49erFX qualifizieren sich für die Medal Races. Die Chancen für die deutschen 49er FX-Frauen sind groß, bei der Vergabe der Medaillen ein Wörtchen mitzureden. „Es war der längste Tag bisher, sonst sind wir immer schneller durchgekommen“, erklärten Victoria Jurczok/Anika Lorenz, während sie ihren 49erFX an Land zogen. „Im letzten Rennen haben wir einen super Start erwischt. Es ist cool, zum Schluss noch einen Ersten rauszuholen“, freuten sie sich über den Tag und den dritten Platz im Gesamtklassement. „Bisher fehlten die sehr guten Ergebnisse noch, jetzt geht es in die richtige Richtung.“
Die deutschen Olympiateilnehmerinnen von Rio kennen zwar das Revier der Kieler Förde bestens, doch von Vorteil sei das bei der Europameisterschaft bisher noch nicht gewesen. Also stellten sie sich auf nichts ein, denn auf dem Wasser kommt es sowieso anders, als vorhergesagt. Einen Platz vor ihnen liegen Tina Lutz/Susann Beucke (Prien/Strande) – nur einen Punkt hinter den führenden Dänen Jena Mai Hansen/Katja Salskov-Iversen. „Wir sind sehr sehr zufrieden.“ Im letzten Rennen hatte der Wind auf links gedreht. „Total chaotisch. Das hat das Feld überfordert“, sagt Susann Beucke. So sei es zu T-Bone-Situationen gekommen, als gefühlt alle gleichzeitig an der Tonne ankamen. Aus dem Massenauflauf mit der Gefahr, frontal aufgespießt zu werden, „haben wir uns nicht so schlau rausmanövriert“. So stand für die Wettfahrt Platz elf im Klassement. Auch die dritte deutsche Frauen-Crew ist auf Position zwölf gut positioniert. Um sich für das Medal Race zu qualifizieren, müssen Jule und Lotta Görge (Kiel) allerdings noch einen kleinen Sprung nach vorn machen.

Die führende Position unter den 49er-FX-Junioren haben derzeit Gwendal Lamay und Luke Willim (Hamburg/Schleswig) inne. Allerdings steht noch ein Protest aus. Sie kämpfen in der Silberflotte um den Titel des Junioren-Europameisters, und nehmen es gelassen, dass sie als männliches Team nicht in der Goldflotte starten konnten, obwohl sie sich aufgrund der Platzierung dafür qualifiziert hätten. „Wir konnten mit den Top Teams mitsegeln“, freuen sie sich. Mit insgesamt 135 Kilogramm sind Lamay und Willim noch zu leicht für den 49er, daher segeln sie seit etwa einem Jahr den 49erFX und wollen nach dieser EM umsteigen. Den Zwischenstopp auf dem Weg zum 49er über den 49erFX zu machen, sehen beide als Vorteil an, so lernten sie bereits effektiv die Technik kennen. „Ich würde es immer wieder so machen“, erklärt Luke Willim. Die Manöver seien sehr ähnlich. Segelfläche und deren Anstellwinkel allerdings anders. Das Gewicht ist der Hauptgrund für die Wahl des 49erFX. Doch die Nachwuchssegler haben auch festgestellt, dass es sehr motivierend ist, mit den erfahrenden 49erFX-Seglerinnen zu trainieren, von ihnen Tipps zu bekommen und zu spüren, dass es läuft. Vermutlich müssen sie sich nach dem Umstieg in den 49er erst einmal wieder weiter hinten einreihen.

Warten, warten, warten: Vor dem dritten Rennen musste die Goldgruppe der 49er Geduld beweisen. Starke Winddreher ließen keine fairen Bedingungen zu, sodass der Start verschoben werden musste. Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger (Simssee) kamen damit gut zurecht. Das erste Rennen konnten sie gewinnen, und nach einem weiteren neunten und dritten Platz rangieren sie nach dem ersten Tag in der Goldflotte auf dem fünften Rang. Tim Fischer und Florian Graf (Hamburg/Berlin), das zweite deutsche Boot in der Goldflotte, erwischte einen nicht so guten Start in die Gold-Rennen. Sie mussten sich am Ende des Tages mit einem 19. Platz zufrieden geben. Die Spitze eroberten die Kieler-Woche-Sieger David Gilmour/Joel Turner (Australien) und verwiesen Jacopo Plazzi/Andreas Tesei (Italien) und James Peters/Fynn Sterritt (Großbritannien) auf die Plätze.

Bei den Nacra17 Full-Foilern gab es keine Aufteilung des Feldes. Alle 25 Katamarane gingen weiterhin zusammen auf eine Bahn. Am Ende des Tages überzeugten Ruggero Tita/Caterina Banti (Italien). Hinter ihnen reihten sich Fernando Echavarri Erasun/Tara Pacheco van Rijnsoever (Spanien) sowie Ben Saxton/Katie Dabson (Großbritannien) ein. Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Kiel) liegen nach neun Rennen auf dem neunten Platz, Jan Hauke Erichsen/Ann Kristin Wedemeyer (Flensburg) auf dem 20.

Tom Heinrich und Mathias Mollat haben bei den C-Foil Nacra17 weiter an Boden verloren. Die leichten Winde machten ihnen erneut zu schaffen. Sie rutschten auf den achten Platz ab. Pip Pietromonaco/Conor Nicholas (Australien) führen das Feld an vor Paul Darmanin/Lucy Copeland (Australien) und Maxim Semenov/Alina Shchetinkina (Russland).

Das Finale wird am Freitag direkt auf der TV-Innenbahn, der Bahn „Hotel“, im Theater Style ausgetragen. Vorgesehen ist es, dass als erste die besten acht Nacra 17 Full Foiling mit ihren Medal Races starten. Ihr Zeitfenster ist auf etwa 12 bis 13.15 Uhr festgelegt, bevor dann die zehn besten 49er von 13.15 bis 14.30 Uhr um den Titel segeln. Den Abschluss machen die zehn führenden 49erFX von 14.30 bis 15.30 Uhr. Das Regattafeld ist in diesem Fall wie ein Spielfeld begrenzt, sodass die Zuschauer direkt an das Regattafeld gebracht werden und das Rennen hautnah erleben können. Die Organisatoren des Kieler Yacht-Clubs und Norddeutschen Regatta Vereins wollen so möglichst vielen Menschen spannende Wettfahrten aus nächster Nähe bieten. Die Wettfahrten der Goldflotten und die Finale werden von 2. bis 4. August via Youtube live gezeigt: http://youtube.com/49ersailing

Sämtliche Ergebnisse und Informationen finden Sie unter: http://49er.org/event/2017-european-championship/ http://nacra17.org/events/2017-european-championship/ www.manage2sail.de

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Veröffentlicht am : 02.08.2017