Rolex Fastnet Race

Boris Herrmann und Pierre Casiraghi holen „Bronze“

Mit einem glänzenden dritten Rang in der IMOCA-Klasse haben Boris Herrmann und Pierre Casiraghi das Rolex Fastnet Race abgeschlossen. Der Hamburger Segelprofi und sein Co-Skipper aus dem Fürstenhaus Monaco erkämpften sich als Zweimann-Crew mit dem Open 60 „Malizia“ in der letzten Nacht auf See noch einen Podiumsplatz hinter den französischen Konkurrenten von der „SMA“ und der „StMichel-Virbac“.

Malizia RFR Foto: Carlo Borlenghi/Rolex

Malizia RFR Foto: Carlo Borlenghi/Rolex

Kurz nach Sonnenaufgang um 6.05 Uhr deutscher Zeit kreuzte die silbergraue „Malizia“ unter dem Stander des Yacht Club de Monaco nach 605 Seemeilen (1.120 Kilometer) die Ziellinie vor der südwestenglischen Hafenstadt Plymouth. Hinter dem Duo lagen 66 nervenaufreibende Stunden vom Start in Cowes auf der Isle of Wight um den Fastnet-Felsen südlich Irlands zurück in die Grafschaft Devon. „Das Rennen war enorm anstrengend, aber hochspannend und am Ende für uns sehr erfolgreich“, resümierten Boris Herrmann und Pierre Casiraghi unisono. Schnellstes Einrumpfboot war am späten Dienstagabend nach zwei Tagen und gut neuneinhalb Stunden die deutlich größere „Rambler 88“ von George David aus den USA.

Der Start der neun international hochkarätig besetzen, gut 18 Meter langen Open 60 am Sonntagvormittag (6. August) begann für die deutsch-monegassische Crew zunächst etwas hakelig. Fast 400 Yachten sorgten auf dem Solent für eine Rekordteilnehmerzahl und erforderten angesichts zahlreicher zusätzlicher Zuschauerboote höchste Aufmerksamkeit. „Wir sind ungewollt in das Feld der Class 40 geraten und mussten ein paarmal wegwenden“, berichtete Herrmann. Zeitraubende Manöver, nach denen die „Malizia“ als Klassenletzte mit rund einer Seemeile Rückstand die weißen Felsen der Needles passierte.

Bereits im Englischen Kanal zeigte sich, dass die Open 60 der vorigen Generation mit geraden Seitenschwertern statt gebogenen Foils (Tragflächen) hoch am Wind Geschwindigkeitsvorteile haben. Überlegen übernahmen Paul Meilhat und Gwénolé Gahinet mit der „SMA“ die Führung, bauten diese zwischenzeitig aus und hatten im Ziel mehr als anderthalb Stunden Vorsprung. Herrmann: „Es gab praktisch überhaupt keine mittleren bis starken Halbwindbedingungen für die neuen Foiler. Wir haben bis zum Fastnet Rock nur hoch gekreuzt und dann vor dem Wind wieder runter.“

Trotzdem gelang es der „Malizia“, die ebenfalls ohne Foils ausgestattete „Generali“ mit der deutschen Skipperin Isabelle Joschke, die Fünfte wurde, in Schach zu halten. Mit der zweitplatzierten „St Michel-Vibac“ des Vendée-Globe-Veteranen Jens-Pierre Dick mit Yann Eliès, ein baugleiches Schwesterschiff, lieferten sich Herrmann und Casiraghi harte Zweikämpfe. „Wir haben sie während der gesamten Regatta in Sichtweite gehabt, aber uns ist taktisch auch nicht alles gelungen“, sagte der geborene Oldenburger. Im Ziel fehlten 26 Minuten zu „Silber“.

Bei Land’s End, der Südwestecke Englands, waren beide Teams als einzige im Westen um ein für die Regattateilnehmer gesperrtes Verkehrstrennungsgebiet herumgefahren. „Wir haben uns die Entscheidung eine halbe Stunde lang überlegt“, so der dreimalige Weltumsegler, „und was anfangs noch wie Notwehr aussah, weil wir hinten lagen, entpuppte sich fast als Jackpot.“ Doch die Konkurrenz erholte sich gleich wieder. Und die Verfolger der „SMA“ rückten am Fastnet Rock wieder eng zusammen.

Nach der Rundung am Dienstagvormittag ging es mit frischen nordwestlichen Winden durch die Irische See zurück. Schauer- und Gewitterböen forderten Mensch und Material. „Eine Walze erwischte und mit Stärke sechs bis sieben, als wir den großen Gennaker noch gesetzt hatten“, berichtete Herrmann weiter, „das war haarig mit Toppspeeds von 26 Knoten.“ Es brachte die „Malizia“ aber nach vorne. Mehr als 20 Segelwechsel auf der Vorwindstrecke ließen kaum eine Minute Schlaf zu.

„Das war ein Rennen ganz nach meinem Geschmack. Das Zusammenspiel mit Boris war großartig“, bilanzierte Pierre Casiraghi, der zuvor nur wenige Trainingsstunden auf dem Open 60 absolvieren konnte. Einen Tag vor dem Rolex Fastnet Race waren beide noch bei der GC32 Racing Tour in Palma de Mallorca mit dem „fliegenden“ Zehn-Meter-Katamaran „Malizia“ Vierte geworden. Der 29-jährige Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco und Vizepräsident des Yacht Club de Monaco unterstützt und begleitet Boris Herrmann mit weiteren gemeinsamen Trainings und Regattateilnahmen auf dem Weg zur Vendée Globe 2020, wenn der 36-Jährige als erste Deutscher einhand bei dem Nonstop-Rennen um den Globus dabei sein will.

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