EM der Skiffs und Kats:

Außenförde wird zum Hochgeschwindigkeitsparcours

Nach der Kieler Woche geht es mit Hochgeschwindigkeit auf der Außenförde vor Schilksee weiter. Vom 27. Juli bis 4. August werden sich bei der Europameisterschaft der 49er, 49erFX und Nacra17 die schnellsten olympischen Klassen rasante Rennen vor Kiel liefern. Dabei sollen erstmals in einer Regatta die Nacra17 mit den neuen Foils ihr Können im Flugmodus unter Beweis stellen.

Jan Hauke Erichsen/Ann Kristin Wedemeyer (Flensburg) haben mit dem zweiten Platz bei der Kieler Woche gezeigt, was möglich ist. Foto: segel-bilder.de

Jan Hauke Erichsen/Ann Kristin Wedemeyer (Flensburg) haben mit dem zweiten Platz bei der Kieler Woche gezeigt, was möglich ist. Foto: segel-bilder.de

Die Regenerationsphase für die Segler vor Kiel ist kurz. Denn ein großes Segelereignis folgt dem anderen. Nach der Kieler Woche bleibt den 49ern, 49ernFX und Nacra17 nur wenig Zeit, um wieder auf den Punkt fit zu sein. Denn gerade einmal in vier Wochen ist die Segelelite wieder zu Gast an der Förde. Die Meldelisten sind gespickt mit Segelstars – auch aus Neuseeland, Australien, Argentinien und Brasilien, obwohl die nicht um den EM-Titel mitfahren können. Den Regattasieg auf einem der besten Reviere der Welt wollen sie aber gern einstreichen.

So auch die Olympiasiegerinnen von Rio im 49erFX. Die Brasilianerinnen Martine Grael und Kahene Kunze haben in ihrer Karriere bereits alles gewonnen, wurden 2014 zu den Weltseglerinnen des Jahres gekürt und gehören im Feld der 55 gemeldeten Skiffs zu den Favoritinnen. Das deutsche Team ist mit sechs Booten vertreten und ebenfalls für eine Top-Platzierung gut. In Rio hatten sich Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Kiel) zwar mit dem neunten Platz zufrieden geben müssen, doch die WM-Dritten von 2016 sind immer für einen Medaillengewinn gut – wie auch Tina Lutz/Susann Beucke (Prien/Strande), die im vergangenen Jahr die Kieler Woche gewannen und nun wieder voll angreifen wollen. Das gilt auch für Jule und Lotta Görge, die in der Strander Bucht – ihrem Heimrevier – groß geworden sind.

„Bin ich zu alt?“ Diese Frage stellte sich der 44-jährige Brasilianer Robert Scheidt nach sechs Olympia-Teilnahmen und entschied: „Nein!“ Solange er jeden Morgen aufwache und sich sage, dass er segeln wolle, sei es genau das Richtige. Auch nach dem Wechsel vom vergleichsweise zahmen Laser auf den bissigen Skiff. „Ich mag das Boot, das Konzept dahinter und die Rennen. Es ist eine Herausforderung für mich“, erklärte er während der Kieler Woche. Und nachdem er bereits fünf Olympia-Medaillen im Laser und Starboot gesammelt hat, möchte er nun zusammen mit seinem Vorschoter Gabriel Borges auch bei den Europameisterschaften vorne mitmischen. Für das deutsche Team haben bisher acht Boote gemeldet. Insgesamt gehen 74 Boote an den Start. Die Olympia-Dritten Erik Heil und Thomas Plößel (Kiel) werden aufgrund anderer Verpflichtungen fehlen, dafür sind aber Justus Schmidt und Max Boehme (Kiel) heiß darauf, ihren EM-Titelgewinn aus dem Jahr 2015 zu wiederholen. „Wir sind auf jeden Fall dabei“, freut sich Justus Schmidt.

Kleiner, aber nicht weniger spannend ist das Feld der Nacra17, die mit einem ganz neuen Bootskonzept antreten wollen. Bisher wurden die Mixed-Katamarane mit den C-Foils gesegelt, jetzt erfolgt der Wechsel auf die Z-Foils, die den Kat zum Full-Foiler – also zum fliegenden Boot – machen. Da nicht alle Crews diesen Sprung mitmachen wollen oder können, wird vor Kiel in zwei Wertungs-Klassen gesegelt: auf den C-Foils als offene Regatta, auf den Z-Foils für die EM-Wertung. Unter den 36 Meldungen ist die gesamte Elite des olympischen Kat-Segelns vertreten: Der Argentinier Santiago Lange wurde im vergangenen Jahr für sein Olympia-Gold mit der Auszeichnung als Segler des Jahres geehrt. Er wird mit seiner Gold-Partnerin Cecilia Carranza Saroli erneut versuchen, die Zweiten von Rio, die Australier Jason Waterhouse und Lisa Darmanin, auf Distanz zu halten. Erster Anwärter auf den europäischen Titel ist Thomas Zajac (Österreich). Der Olympia-Dritte ist trotz Wechsel der Vorschoterin schon wieder voll auf Kurs, was er mit dem Kieler-Woche-Sieg mit Barbara Matz eindrucksvoll bewies.

Wie der Umstieg von C- auf Z-Foils gelingt und ob es Unterschiede zwischen den neuen Booten oder den mit Umbau-Kits ausgerüsteten alten Nacras gibt, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, bleibt spannend. Die deutschen Hoffnungen ruhen auf den Kieler-Woche-Zweiten Jan Hauke Erichsen/Ann Kristin Wedemeyer (Flensburg) und Paul Kohlhoff (Kiel), der nach der Trennung von Teampartnerin Carolina Werner nun mit Luisa Krüger startet.

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Veröffentlicht am : 28.06.2017