Drama im Indischen Ozean:

Weltumsegler muss seine „Fidel“ aufgeben

Weltumsegler Moritz Herrmann aus Oldenburg musste im Indischen Ozean seine Segeljacht „Fidel“ aufgeben. Er wurde von der Besatzung des chinesischen Bulkcarriers „Pacific Spirit“ (Heimathafen Hongkong) gerettet.

Endstation Indischer Ozean: 1500 Seemeilen vor seinem nächsten Etappenziel, der Insel Rodrigues vor Mauritius, musste Weltumsegler Moritz Herrmann seine Jacht aufgeben. (© Peter Hermes Furian - Fotolia.com)

Endstation Indischer Ozean: 1500 Seemeilen vor seinem nächsten Etappenziel, der Insel Rodrigues vor Mauritius, musste Weltumsegler Moritz Herrmann seine Jacht aufgeben. (© Peter Hermes Furian - Fotolia.com)

Der 74-Jährige ist der Vater von Segelprofi Boris Herrmann. Den Untergang des Bootes rund 1500 Seemeilen vor seinem nächsten Etappenziel, der Insel Rodrigues, schildert der Weltumsegler in einem bewegenden offenen Brief in den sozialen Medien. An der Rettungsaktion am 24./25. September war auch die Seenotleitung Bremen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) beteiligt.
Moritz Herrmann war seit drei Jahren unterwegs auf seinem Törn rund um die Welt. Vor der Aufgabe seiner Segeljacht hatte er bereits öfter mit technischen Problemen zu kämpfen gehabt. Zuletzt war auf Bali die Ruderanlage umgebaut und die Hydraulik generalüberholt worden. Der Skipper freute sich danach auf unbeschwerte Segeltage in der Weite des Indischen Ozeans. „Auf den Kokosinseln fand ich den schönsten Ankerplatz meiner Reise“, schreibt der Weltumsegler. Danach wollte er zur Insel Rodrigues segeln.
Der Törn begann verheißungsvoll: Etmale von 140 Meilen ließen eine schnelle Reise erwarten. Doch dann brach die neue Rollreffanlage aus dem Deck des Reinke-Zweimasters „Fidel“. „Nur noch am Mast hängend, schleuderte die gesamte Rollfock nach Lee, um im Seegang dann wieder - einer Abrissbirne gleich - gegen das Boot zu donnern“, beschreibt der Einhandsegler die Lage an Bord. Gleichzeitig nahm er den lebensgefährlichen Kampf auf, das Rollreff zu sichern. Zunächst gelang es ihm, die Anlage an der Reling festzuzurren, aber das Segel, das sich ja nun nicht einrollen ließ, zerrte heftig am Vorstag und drohte, die Seitenfenster einzuschlagen. Bei dem Bemühen, die gefährliche Lage in den Griff zu bekommen, verletzte sich der 74-Jährige an Händen und Füßen und wurde fast über Bord geschleudert.
Schließlich zerfetzte er das Vorsegel mit einer Harpune, um den Druck aus dem Segel zu nehmen. „Es dauerte Tage, ehe ich die nervenaufreibend knatternden Segelfetzen kleiner gemacht hatte“, schreibt Herrmann in seinem Bericht. Auch als sich eine Schot im Propeller verheddert hatte, meisterte er die Lage, indem er tauchte und die Leine entfernte. Schließlich setzte er den Besan und nahm mit drei Knoten Kurs auf Rodrigues: 20 Tage Reisezeit lagen vor ihm. Aber zu allem Unglück versagte dann der Autopilot, und die Jacht kam quer zur See. Auch per Hand ließ sich „Fidel“ nicht auf Kurs bringen, denn die Hydraulik war erneut ausgefallen.
Nachdem sich Moritz Herrmann mit seinem Sohn Boris beraten hatte, verständigte der die Seenotleitung Bremen, die wiederum die Kollegen in Australien alarmierte. Zunächst sah es so aus, als ob es Tage dauern würde, bis die nächsten Schiffe dieses abseits der üblichen Routen gelegene Seegebiet erreichen würden. Doch dann tauchten am Horizont überraschend die Umrisse eines Bulkcarriers auf: Die rund 300 Meter lange „Pacific Spirit“ aus Hongkong hielt auf die havarierte deutsche Segeljacht zu. Kapitän und Mannschaft setzten ihr ganzes seemännisches Können ein, um den Einhandsegler die meterhohe Bordwand emporzuhieven. Zuvor hatte Herrmann die Seeventile seiner „Fidel“ geöffnet, damit sie nicht als Geisterschiff über den Ozean treiben musste und damit eine Gefahr für andere Schiffe dargestellt hätte.
An Bord der „Pacific Spirit“ wurde der Schiffbrüchige herzlich aufgenommen und bestens versorgt. Der Frachter änderte den Kurs Richtung Mauritius, wo eine Barkasse den Schiffbrüchigen abholte. Der deutsche Honorarkonsul war einige Tage Herrmanns Gastgeber, bevor Moritz Herrmann den Heimflug nach Deutschland antrat. „Aber eine Lücke klafft neben mir: Da ist kein Boot mehr, das so viele Jahre meine Heimat gewesen ist“, bedauerte der Skipper. Er will nun einen Neuanfang suchen. Rodrigues ist eine abgeschiedene Insel im Indischen Ozean: Sie ist die zweitgrößte Insel der Republik Mauritius und zählt rund 40.000 Einwohner. Zur Hauptinsel sind es rund 330 Meilen. Richtung Westen sind es mehr als 800 Meilen bis Madagaskar; das afrikanische Festland liegt rund 1400 Meilen entfernt. (tk)

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