Interview mit Heiko Zimmernann

„Bootsmessen sind emotional“

Die Boatfit wird in diesem Jahr erstmals in die hanseboot integriert: Der Sportschipper aus dem Haus des SVG Verlages sprach mit hanseboot-Projektleiter Heiko Zimmermann.

Heiko Zimmermann, Projektleiter der hanseboot. (Foto: Kölling)

Heiko Zimmermann, Projektleiter der hanseboot. (Foto: Kölling)

Wenn die Internationale Bootsmesse hanseboot am 29. Oktober ihre Tore öffnet, werden die Bremer dort in einem Teil ihre Refit-Messe Boatfit in abgewandelter Form wiederfinden. Aber anders als in den Bremer Messehallen müssen nach dem Verkauf der Bremer Messe nach Hamburg nun auch Vereine und gemeinnützige Organisationen für einen Messestand zahlen. hanseboot-Projektleiter Heiko Zimmermann will die Bremer Aussteller zum Mitmachen in Hamburg bewegen.
Sportschipper-Mitarbeiter Volker Kölling hat ein Gespräch mit ihm geführt.

Sportschipper: Sie kennen die Bremer Befindlichkeiten – gerade gegenüber Hamburg. Ihre Eltern haben in Bremen ihre Ausbildung gemacht, ihre Mutter war eine Ostfriesin von der Insel Juist. Können Sie sich vorstellen, wie sehr das ein Stachel im Fleisch der Bremer Wassersportler ist, dass diese Messe Boatfit ausgerechnet nach Hamburg verkauft worden ist?

Heiko Zimmermann: Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Das Thema haben wir auch im Vorfeld mit der Messe Bremen besprochen. Die Alternative wäre gewesen, dass eine andere Messe die Boatfit gekauft hätte. Oder die Messe mit ihren tollen Inhalten wäre komplett gestorben. Diese beiden Möglichkeiten hätte es noch gegeben. Da haben wir in Absprache mit Bremen beschlossen: Wir behalten die Boatfit in Norddeutschland, zumindest was das Konzept angeht. Den Spirit der Boatfit können wir vielleicht nicht nach Hamburg holen, aber wir können ihr den Spirit der hanseboot geben. Und die Aussteller und Besucher bekommen das, was in Bremen in drei Tagen stattfand, nun sogar neun Tage lang.

Sportschipper: Welche Kommentare von Endkunden haben Sie denn erreicht? Hier gab es einige Leute, die extrem sauer waren.

Zimmermann: Es war auch im Vorfeld für Bremen so zu erwarten. Bootsmessen sind eine sehr emotionale Angelegenheit. Ich bin in Hamburg auch noch für andere Publikumsmessen zuständig, und nur bei Bootsmessen gibt es immer eine sehr intensive Diskussion. Da wurde behauptet: Die großen Hamburger hätten die Boatfit weggekauft. Dazu kann ich nur sagen: Die Boatfit ist uns angeboten worden. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen hätten wir nein sagen müssen. Aber weil das Konzept hervorragend mit unserem Refitbereich zusammenpasst und wir die Boatfit noch in diesem Jahr integrieren können, haben wir die Markenrechte übernommen. Zudem verträgt der Markt gut eine Messe weniger. Das ist ein großes Credo der Aussteller. Jede Messe ist ein hoher finanzieller und zeitlicher Aufwand für die Aussteller.

Sportschipper: Aber Sie haben doch Geld bezahlt für die Rechte an der Boatfit?

Zimmermann: Natürlich, die Bremer haben das nicht verschenkt. Neben der inhaltlichen Passgenauigkeit wollten wir aber auch ein Zeichen setzen, dass wir in Norddeutschland gut zusammen arbeiten und das Thema Refit hier besetzt halten möchten. Außerdem haben wir viele Aussteller aus dem Bremer Bereich. Das passt.

Sportschipper: Mit was rechnen Sie? Wie viele der Bremer Boatfit-Aussteller werden sie auf die hanseboot ziehen können?

Zimmermann: Fünfzig Prozent der Boatfit-Aussteller sind ohnehin auch auf der hanseboot. Auf die andere Hälfte werden wir mit unserem Konzept zugehen.

Sportschipper: Einige sprechen in ihren Betrieben als Ersatz für die Boatfit von einem Verbund von kleinen Hausmessen, welche die Leute dann mit dem Shuttlebus besuchen könnten. Einige Vereine hier denken darüber nach, sich im Frühjahr ein Wochenende lang in Kultureinrichtungen zu treffen...

Zimmermann: ... und in Bremerhaven wird auch überlegt, etwas Eigenes zu machen. Das sind sicherlich gut gemeinte Initiativen. Mögliche Aussteller finden sich schnell zusammen. Die Hauptarbeit ist aber die nachhaltige Organisation und Kommunikation, damit nachher wirklich Besucher kommen. Messebusiness ist, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, zudem sehr arbeits- und kostenintensiv.

Sportschipper: Wie weit sind Sie mit Ihrer Planung und Arbeit, die Boatfit tatsächlich als Messe noch in diesem Jahr in die hanseboot zu integrieren?

Zimmermann: Wir haben das Konzept erstellt und beginnen jetzt mit der Umsetzung. Es gibt seit langem einen erfolgreichen Refitbereich auf der hanseboot, der, erweitert um die Aussteller und das Rahmen- und Seminarprogramm aus Bremen in den Hallen B2 und B3 zur Boatfit auf der hanseboot, wenn sie so wollen ein eigener Kiez wird. Wir wollen nicht nur die erfahrenen Salzbuckel ansprechen, sondern auch die Einsteiger in den Bootssport gewinnen, die sich günstig dieses Hobby über den Gebrauchtmarkt und die Eigenleistung leistbar machen.

Sportschipper: Man entwickelt sich zum Handwerker?

Zimmermann: Ja, ein wenig schon. Ich habe an meinem eigenen Boot in diesem Jahr zusammengerechnet auch schon wieder zwei Wochen gearbeitet, und das hat Spaß gemacht Wir haben auf der hanseboot damit angefangen, dass Thema Refit auch fühlbar, erlebbar und machbar zu machen. Wir machen seit ein paar Jahren eine Gläserne Werft. Bestimmte Problemfälle werden an Booten aufgearbeitet und erlebbar gemacht. Außerdem werden in der sogenannten Werfthalle Kurse zu unterschiedlichen Themen zum Mitmachen angeboten.

Sportschipper: In der Ecke der Messe hat auch immer Martina Georgus vom großen Bremer Teakholzspezialbetrieb Daniel Georgus Vorführungen angeboten. Sie war unglücklich, wie wenig Werbung für den Bereich gemacht worden ist und wie wenig Zuschauer 2015 kamen.

Zimmermann: Wir haben den Bereich Refit in den letzten Jahren genauso beworben wie alle anderen Bereiche der Messe. Die Inhalte decken die Aussteller über ihre Präsenz und Angebote ab. Richtig ist, dass wir einen leichten Rückgang der Besucherzahlen gespürt haben. Da hängen wir, wie alle anderen auch, an der momentanen Konjunktur. Wir gehen aber davon aus, dass wir 2016 wieder mehr interessierte Besucher, auch wegen der Boatfit, vermelden können.

Sportschipper: Tatsächlich war der Refitteil auf der letzten hanseboot, verschachtelt auf zwei Ebenen ihrer Hallen, schwer zu finden und zu überschauen. Wie wird es jetzt werden, wenn Sie die Boatfit integrieren? Bekommt das Thema Refit und Bootsreparaturen dann eine eigene Halle?

Zimmermann: Das ist so nicht richtig. Wir haben schon seit ein paar Jahren in der Halle B2 das Thema Bootsbau und Refit zusammengezogen. Dort ist auch der Gemeinschaftsstand des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbands. Den Refitbereich erweitern wir in die Halle B 3 und machen den Kiez zur Boatfit. Die Boatfit-Arena werden wir dort so gestalten wie eine richtige Werft – hinten mit einer kleinen Werfthalle, wo dann Kurse für die Besucher stattfinden.

Sportschipper: Sie übernehmen von der Boatfit also auch die Idee der vielen Foren in einer Halle zu unterschiedlichen Themen: Vorne steht jeweils ein Experte vor Publikum und zeigt der Menge etwas?

Zimmermann: Nicht ganz: Wir wollen verschiedene Aktionen machen. In der Boatfit-Arena gibt es klassische Frontalpräsentationen auf einer Bühne vor der Werfthalle. Drinnen finden dann die Mitmachaktionen statt. Etwas Drittes wird der Boatfit-Treff sein, wo die Leute Spezialisten und Berater in der Hallenmitte hautnah erleben können.

Sportschipper: Aber das werden keine zig Foren mit fast ununterbrochenen Vortragsprogrammen über neun Tage, oder?

Zimmermann: Die vielen Foren hatten wir auch schon immer: Wir werden die „Meet the Expert“-Bühne in der Halle B 5 mit informativen Vorträgen bespielen. Und wir haben oben bei den Charterern in der Halle B 1, Obergeschoß, die „Leben an Bord“-Bühne. Da geht es um „Kochen an Bord“ oder „Wie gehe ich auf Langfahrt?“. Also spannende Themen, die vielleicht nicht direkt das Thema Refit aufgreifen, aber ebenso spannend und wichtig für Bootsportler sind.

Sportschipper: Neun Tage läuft die hanseboot. Da gibt es hier einige kleinere Unternehmen unter den ehemaligen Boatfit-Ausstellern, die finden, dass das viel zu lang ist. Die fanden die Bremer Boatfit mit ihren drei Tagen genau richtig. Von denen kommt jetzt der Einwand, dass sie neun Tage Messe mit ihren Leuten in der Firma gar nicht stemmen können. Sind diese Unternehmen jetzt verloren für öffentliche Messen?

Zimmermann: Das kann sein, wir können nur gute Angebote schaffen, die Entscheidung von Unternehmen, auf Messen zu gehen, obliegt natürlich letztlich den Firmen selbst. Bis jetzt sind wir noch nicht bei allen Bremer Boatfit-Ausstellern gewesen. Wir werden aber noch auf sie zugehen und unser Angebot vorstellen.

Sportschipper: Viele Bremer Vereine und maritime Institutionen haben die Boatfit als Forum benutzt, um sich kostengünstig bis kostenlos darzustellen. Die haben gar nicht die Kasse, ihre Exponate auch nur bis Hamburg zu schaffen, mal ganz abgesehen von einem Budget für Standgeld.

Zimmermann: Das weiß ich. Aber Messen sind Betriebe, die wirtschaftlich zu agieren haben. Wir müssen genau schauen, was unsere Messe attraktiv macht und damit die richtigen Besucher lockt. Das ist die Währung. Vereinen, Klassenvereinigungen und Institutionen geben wir die Möglichkeit, dass sie für einen ideellen Betrag einen Stand als Komplettpaket bekommen. Das ist nicht unbedingt kostendeckend, aber eine Attraktion. Das bieten wir, weil wir es wichtig finden, dass etwa durch Klassenvereinigungen die Bootsvielfalt dargestellt wird.

Sportschipper: In Bremen gab es am Sonntag immer einen Nautischen Flohmarkt, der ging durch die Decke. Der hat von Jahr zu Jahr mehr Besucher angezogen. Wie wollen sie den fortführen?

Zimmermann: Wir überlegen, so etwas auf unserer zweiten Messe, der hanseboot ancora boatshow in Neustadt/Holstein einbauen, weil er dort auch ganz gut ins Konzept passt. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich es schwierig finde, meinen über 600 Ausstellern von neuen Produkten auf der hanseboot einen Flohmarkt zu erklären.

Sportschipper: Noch einmal zur Messelänge: Sie haben ja noch ungenutzte Hallenflächen während der hanseboot. Können Sie nicht auch einem Teil der Aussteller einfach eine „Drei-Tage-hanseboot“ ermöglichen?

Zimmermann: Das ist ein interessantes Thema, das wir vielleicht für 2017 prüfen können. Das bedeutet für uns, dass wir das Gesamtkonzept der hanseboot ändern müssten.

Zur Person:

Heiko Zimmermann hat nach einer Handwerksausbildung sein Betriebswirtschaftsstudium in Heidelberg mit Diplom beendet. Nach Stationen unter anderem als Marketingchef der Dehler-Yachtwerft, beim Yachtversicherer Pantaenius und im Bereich der Hamburg-Werbung arbeitet der 54jährige Vater von drei Kindern seit 2013 als Geschäftsbereichsleiter Publikumsmessen bei der Hamburg Messe und Congress GmbH. Dabei ist er direkter Projektleiter der Messen hanseboot und der Reisen Hamburg.

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