470er-Junioren-WM vom 22. bis 26. Juni

Wie der Bruder, so die Schwester

Es sind nicht nur die vielfachen Weltmeister Mathew Belcher/Will Ryan (Australien), die zur Kieler Woche (18. bis 26. Juni) den Blick auf den olympischen 470er lenken, auch der 470er-Nachwuchs steht in Kiel im Fokus des sportlichen Interesses.

Den jungen Aufsteigerinnen im 470er, Theres Dahnke/Birte Winkel, werden  Außenseiter-Chancen bei leichten Winden eingeräumt. Foto: segel-bilder.de

Den jungen Aufsteigerinnen im 470er, Theres Dahnke/Birte Winkel, werden Außenseiter-Chancen bei leichten Winden eingeräumt. Foto: segel-bilder.de

Denn ein Highlight der Kieler Woche 2016 ist die Junioren-Weltmeisterschaft in der Zweimannjolle, die am Dienstag, 21. Juni, nach dem Einmarsch der Nationen um 19.30 Uhr vom Olympiafeuer zur Bühne um 20 Uhr in der Audi Sailing Arena offiziell eröffnet wird. Zehn Fleet Races und das Medal Race stehen auf dem Programm der Junioren-WM, die auf Bahn Charlie ausgesegelt wird.
32 Frauen-Crews aus zwölf Nationen und 52 Männer-Crews aus 17 Nationen haben gemeldet. Aus Australien, Brasilien, Japan, Südafrika und aus ganz Europa kommen die weltbesten Junioren nach Kiel-Schilksee. „Es freut uns, dass wir mit dieser WM einen weiteren Höhepunkt in der Kieler Woche bieten können. Es passt in unser Konzept, die internationale Segel-Jugend nach Kiel zu holen“, so der Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten, Dirk Ramhorst (Kieler Yacht-Club), der mit 84 Meldungen sehr zufrieden ist. Ein wichtiger Aspekt sei dabei, dass nach zehn Jahren erstmals wieder eine internationale 470er-Meisterschaft in Deutschland ausgetragen werde, so Ramhorst. Zudem stimmt die Qualität des Teilnehmerfeldes, denn insgesamt fünf der sechs Medaillengewinner-Crews der Junioren-WM 2015 vor Thessaloniki (Griechenland) sind in Kiel am Start und wollen wieder aufs Treppchen.

Die deutschen Medaillen-Hoffnungen ruhen dabei vor allem auf den Schultern der amtierenden Silbermedaillengewinner von Thessaloniki, Malte Winkel (22/Schweriner YC) und Matti Cipra (23/Plauer Wassersport Verein) aus dem Audi Sailing Team Germany. Und während Familie, Freunde und Fans Malte Winkel die Daumen drücken, hat seine jüngere Schwester Birte keine Zeit dafür. Die 18-Jährige ist bei der Junioren-WM an der Vorschot von Theres Dahnke (17/beide Kiel) selbst am Start.
Die Erwartungen sind allerdings noch unterschiedlich. Denn während Malte Winkel mit Vorschoter Matti Cipra mit Bronze und danach Silber in den Vorjahren zu den Favoriten zählen, rechnen sich Dahnke/Winkel bei den Frauen nur Außenseiterchancen aus und hoffen auf einen Platz in den Top Ten. Bevor sich Bruder und Schwester ins WM-Geschehen begeben, haben sie allerdings noch einen gemeinsamen öffentlichen Auftritt. Am Dienstag sprechen sie bei der WM-Eröffnung den Sportlerschwur. Ab Mittwoch (erster Start um 12 Uhr) trennen sich dann auf dem Wasser die Wege der Geschwister.

Winkel/Cipra sind in der Junioren-Altersklasse U24 noch startberechtigt und wollen in ihrem letzten Junioren-Jahr das Medaillen-Set nach Bronze und Silber in den beiden vergangenen Jahren komplettieren. „Die JWM in Kiel ist für uns einfach der perfekte Abschied aus dem Juniorenbereich. Wir freuen uns schon riesig auf das Event. Nach Silber und Bronze werden wir in Kiel alles auf Sieg setzen“, so Malte Winkel.
Sie wären damit in der Spur der amtierenden Junioren-Weltmeister GuillaumePirouelle/Valentin Sipan. Die Franzosen belegten 2014 Platz zwei und holten ein Jahr später nach Silber 2015 Gold. Doch auch die Franzosen sind noch Junioren und peilen die Titelverteidigung und ihre dritte Medaille an. Dritte Crew im Bunde der Favoriten ist das Duo Giacomo Ferrari/Giullo Calabro. Die italienische Crew ist Bronzemedaillengewinner des Vorjahres in Griechenland. Damit ist das gesamt Medaillen-Trio aus Griechenland auch in Kiel am Start. Bundestrainer Hendrik Ismar, der den Anstoß zur Kieler WM-Bewerbung gegeben hatte, traut seinen beiden Schützlingen auf dem Heimatrevier Großes zu und hofft, dass seine Crew am Sonntag um 16 Uhr bei der Siegerehrung in der Audi Sailing Arena ganz oben auf dem Treppchen steht. Auch bei den Juniorinnen hat der DSV mit Frederike Loewe/Anna Markfort ein heißes Eisen im Feuer. Die Crew aus der Audi Nationalmannschaft hatte bereits 2014 Bronze gewonnen. Favorisiert sind aber auch hier die Medaillengewinnerinnen des Vorjahres, Benedetta Di Salle/Alessandra Dubbini (Italien/Gold 2015) und Maria Bozi/Rafailina Klonaridou (Griechenland/Silber), sowie die Silbermedaillen-Gewinnerinnen von 2014, Noya Bar-Am/Rimon Shoshan (Israel).
Den jungen Aufsteigerinnen im 470er, Theres Dahnke/Birte Winkel, werden Außenseiter-Chancen bei leichten Winden eingeräumt. Das in Kiel lebende Team gehört wie Jara Seide/Christine Walkenbach zu Deutschlands Jugend-Segelnationalteam.
Während Bruder Malte in den Kampf um die Medaillen eingreifen will, hoffen die WM-Neulinge Dahnke/Winkel, die seit Februar 2014 zusammen segeln, auf eine gute Platzierung. Bei einem 420er-Trainingslager in Hyères (Frankreich) haben die beiden festgestellt, dass sie auf einer Wellenlänge sind. Im Juli des Vorjahres folgte dann der logische Umstieg vom 420er in den olympischen 470er. Und mit diesem Umstieg in die olympische Klasse fiel die Entscheidung, den Sport zum Lebensmittelpunkt zu erklären. Beide zogen nach Kiel, wo Theres Dahnke (17) im Sportinternat in Schilksee lebt und zur Schule geht, während die ein Jahr ältere Birte Winkel an der Christian Albrechts Universität Kiel Ökotrophologie studiert.
„Wir verbringen sehr viel Zeit mit unserem Sport. Extra für ihn sind wir nach Kiel gezogen. Fast täglich trainieren wir, ob nun auf dem Wasser oder im Kraftraum. Und wenn wir mal nicht trainieren, arbeiten wir an unserem Boot oder organisieren die nächsten Trainingsblöcke gemeinsam mit unserem Trainer“, beschreibt Theres Dahnke den vom Sport dominierten Alltag.
Mit Blick auf die Kieler Woche ist die Anspannung groß. „Die Kieler Woche ist jedes Jahr ein riesiges Event. Dieses Jahr mit integrierter JWM ist sie sogar noch wichtiger. Daher ist die Aufregung aus mehreren Gründen groß, weil es unsere erste Junioren-WM ist, weil sie im eigenen Land ist und weil wir natürlich besonders gut sein möchten“, so Birte Winkel. Da es die erste Junioren-WM sei, könnten sie das Feld schwer einschätzen. „Aber ein Top-Ten-Platz, der mit dem Einzug ins Medal Race verbunden wäre, würde uns sehr zufrieden stellen“, so Dahnke selbstbewusst.
Es wäre schon etwas Besonderes, wenn am Sonntag, 26. Juni, in den Medal Races erst die Schwester und dann der Bruder starteten.

Die Europameisterschaft in der Segel-Bundesliga-Klasse J/70 sowie die Internationale Deutsche Meisterschaft der Hochseesegler, der olympischen Nacra 17-Klasse und in den paralympischen Klassen 2.4mR und Sonar sind weitere Prädikate der Kieler Woche 2016 (18. bis 26. Juni). Rund 4.000 Aktive aus 50 Nationen werden neun Tage lang auf zehn Regattabahnen die gesamte Bandbreite des Segelsports präsentieren. Die Verabschiedung der deutschen Olympiamannschaft, der Auftritt absoluter Topsegler wie Peter Burling/Blair Tuke (Neuseeland) im 49er und Mathew Belcher/Will Ryan (Australien) im 470er und ein komplettes Rahmenprogramm sorgen im 134. Jahr des Bestehens der Veranstaltung für eine Kieler Woche der Spitzenklasse.

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Veröffentlicht am : 16.06.2016