Kieler Woche

Segeln als Familiensache

Es ist fast egal, auf welche der Ergebnislisten man schaut, die am Ende des Tages auf der Kieler Woche aushängen – einen Namen findet man auf vielen: Kohlhoff. Doch die Strander Segelfamilie geht nicht etwa gemeinsam an den Start, sondern steuert gleich fünf Boote in vier verschiedenen Klassen – das dürfte diesjähriger Kieler Woche-Sippenrekord sein.

Familiensaga in Kiel: Johann Kohlhoff (Laser), Melanie Kohlhoff-Horstmann (J/70), Max Kohlhoff (Finn), Paul Kohlhoff (Nacra 17) und Peter Kohlhoff (J/70). Foto: okpress

Familiensaga in Kiel: Johann Kohlhoff (Laser), Melanie Kohlhoff-Horstmann (J/70), Max Kohlhoff (Finn), Paul Kohlhoff (Nacra 17) und Peter Kohlhoff (J/70). Foto: okpress

Vater Peter Kohlhoff und seine Frau Melanie Kohlhoff-Horstmann segeln im Feld der J/70 – gegeneinander, wohlgemerkt. Kohlhoff stieg dafür von ORC-Dickschiffen auf die Kielboote, erstmals zur MaiOR, nun gleich im starken Europameisterschaftsfeld mit über 90 Booten. Seit die Bundesliga auf den J/70 existiert, wollte der Unternehmer ein Event auf dem Bootstyp segeln. Melanie Kohlhoff-Horstmann sitzt am Ruder einer von zwei deutschen Frauencrews.

Kohlhoffs Söhne Max (23), Paul (20) und Johann (19) machen ihrer Konkurrenz das Leben in drei weiteren Bootsklassen schwer bis sehr schwer. Paul Kohlhoff und seine Vorschoterin Carolina Werner beweisen ihr Weltklasseniveau bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft der Nacra 17. Keiner der Katamarane ging auf dieser Kieler Woche bisher vor ihnen über die Ziellinie – das gute Ergebnis könnte die noch ausstehende Entscheidung des DOSB für eine Olympianachnominierung von Kohlhoff/Werner positiv beeinflussen.

Auch Bruder Max Kohlhoff ist fest im Segelsport etabliert. Nach erfolgreichen Jahren im Laser fährt er aktuell dem Finn Dinghi-Feld davon. „Das Ziel für die Kieler Woche ist eine Medaille“, sagt Kohlhoff. Nach einem sechsten Platz bei der Junioren-WM im vergangenen Jahr sieht er auch bei der anstehenden JWM 2016 in Aarhus gute Chancen für Edelmetall.

Während der Jüngste im Bunde, Johann Kohlhoff, derzeit erstmal volle Konzentration auf sein Abitur legt und sich die Bundeskaderqualifikation im Laser zurück ersegeln will, haben seine Brüder eine Profikarriere fest im Blick. „Das Segeln war bei uns ja quasi durch den Job unseres Vaters vorprogrammiert“, sagt Max Kohlhoff. Peter Kohlhoff vertreibt Yachtzubehör und Decksequipment, auf der Familienyacht Gloria standen seine Söhne schon als kleine Jungs am Ruder. „Dass Segeln unser Traumberuf ist, hat sich aber ganz ohne den Druck aus der Familie herauskristallisiert“, sagt Max Kohlhoff, der längst Exkursionen aus der Jolle heraus auf größere Geschosse unternommen hat: 2013 auf einen AC 45 beim Youth America‘s Cup in San Francisco, im vergangenen Jahr in einer ganz besonderen Familienkonstellation: Bei der Extreme Sailing Series starteten Vater Peter sowie Paul und Max Kohlhoff gemeinsam mit dem Olympiateilnehmer und Tornado-Weltmeister Roland Gaebler in Hamburg. „Es hat großen Spaß gemacht, da mit der Familie anzutreten, die Lernkurve war unglaublich steil“ – auch wenn es durch die kurzfristige Teilnahme und mangels Zeit für Training nicht fürs Podium reichte. Wie es ist, wenn geballtes Segelkönnen aus einer Familie an Bord einer Rennmaschine zusammenkommt? „Die Hemmschwelle, jemanden anzuschreien, ist sicherlich geringer als bei Fremden“, lacht der 23-Jährige. „Wir Kohlhoffs sagen uns immer ziemlich direkt, wenn was nicht stimmt.“

Auf über ein Dutzend Bootsklassen kommt Familie Kohlhoff, wenn sie ihre gesammelte Segelerfahrung in einen Hut wirft – und in den kommenden Jahren wird die Liste sicher noch erweitert werden.

Am heutigen Samstag gehen alle fünf Familienmitglieder wieder an den Start. Paul möchte die 3000 Euro Siegprämie im Nacra gewinnen und Max im Finn. Melanie Horstmann-Kohlhoff möchte bei der J/70-EM natürlich gern vor ihrem Ehemann Peter liegen, und Johann Kohlhoff will sich bei den Lasern weiter nach vorn arbeiten.

Für alle Klassen steht ein volles Programm im Plan. Bei drei bis vier Beaufort aus nördlichen Richtungen segeln alle Klassen ab 11 Uhr drei Wettfahrten, die 49er, 49erFX und Nacra vier.

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Veröffentlicht am : 25.06.2016