70 Jahre Kieler-Woche-Plakate

Kieler Woche: Laute Segel in windigen Wellen

Blau-weiße Wellen, Wind und Wolken – und dazwischen rote Segel: Das ist das Markenzeichen der Kieler Woche 2018 (16. bis 24. Juni). Im traditionellen Designwettbewerb zur Fest- und Segelwoche setzte sich der Entwurf der österreichischen Designerin Verena Panholzer durch.

Die Jury lobte am Mittwoch, 13. September, im Kieler Rathaus: „Das Plakat strahlt ungeheure Lebensfreude und Energie aus, in der sich die Kieler Woche mit all ihren Aktivitäten wiederfindet.“ Das comicartige Motiv in Blau, Weiß und Rot steht zugleich für ein Jubiläum: 2018 wird das Kieler-Woche-Plakat 70 Jahre alt. Die ersten Plakate 1948 und 1949 hatte noch ein städtischer Mitarbeiter gestaltet.
Für die Jury des Designwettbewerbs zeigt der Entwurf „Laute Segel in windigen Wellen“. In der Begründung schreibt die Jury, das Siegerplakat skizziere mit kräftigen schwarzen Linien das Zusammenspiel von Himmel, Meer und Booten. Und: „Der dynamische Wechsel blauer und weißer Flächen von Wind und Wellen wird mit roten Segeln rhythmisiert. Das Motiv hat nahezu lautmalerische Qualitäten, man glaubt das Tanzen der Wellen und den pfeifenden Wind zu hören.“ Formell stelle die Umsetzung eine bisher noch nicht dagewesene gestalterische Herangehensweise im Kieler-Woche-Design dar.

Außerdem würdigte die Jury die „äußerst schlüssig ausgearbeiteten Corporate-Design-Anwendungen“, die ebenfalls Lebensfreude und Energie transportierten. „Die gesamte Gestaltung löst so die Distanz zwischen Veranstalterin und Betrachterin beziehungsweise Betrachter auf und lädt zum Mitmachen ein.“
Der Entwurf voller Dynamik stammt aus einem Land fernab der Meere: Verena Panholzer ist Art Direktorin und Gründerin von „Studio Es“ – einem Studio für visuelle Kommunikation im fünften Wiener Bezirk. Außerdem engagiert sich die 37 Jährige im Vorstand des Creativ Club Austria (CCA) sowie des Vereins „100 beste Plakate“. Nach ihrem Studium an der Kunstuniversität Linz (Industrial Design) und dem Kolleg für Grafik- und Kommunikationsdesign war Verena Panholzer unter anderem in Berlin bei der international agierenden Werbeagentur TBWA tätig.
Seit zehn Jahren führt Panholzer ihr eigenes Studio in Wien und betreut schwerpunktmäßig Kunden aus dem Kunst- und Kulturbereich. Im Fokus der stark konzeptionellen Arbeiten der Designerin stehen Branding und Editorialdesign. Viele ihrer Projekte wurden bereits international ausgezeichnet.
Seit 69 Jahren wird mit jährlich wechselnden Plakaten und anderen Werbemitteln weit über Kiel hinaus für die Fest- und Segelwoche geworben. Sich in diese 1948 begonnene Tradition einzureihen und einmal das Kieler-Woche-Design zu gestalten, ist der Traum vieler Grafikdesigner. Aber nur wenige bekommen die Chance dazu: Seit 1959 lädt Kiel von einer Jury ausgewählte Designerinnen und Designer aus dem In- und Ausland zu dem renommierten Wettbewerb ein.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs sind Gäste der Kieler Woche und sammeln an der Förde Eindrücke, die sie anschließend in ihre Entwürfe für das Folgejahr einfließen lassen. Erstmals wurde das Plakat der Kieler Woche 1960 durch einen solchen Einladungswettbewerb ermittelt. Zur Kieler Woche 2018 wurde zum 59. Mal ein Wettbewerb ausgeschrieben. Seit 1974 muss das Plakat in ein stimmiges Corporate Design eingebunden sein.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs für das Design der Kieler Woche 2017 waren: Friedrich Forssman und Cornelia Feyll (Kassel), Prof. Markus Weisbeck (Frankfurt/Main), Prof. Volker Pfüller (Berlin), Verena Panholzer (Wien), Peter Bankov (Prag/Moskau). Sie reichten insgesamt elf Entwürfe ein.
In der Jury saßen vier Fachjuroren und vier Sachjuroren. Die Fachgutachter waren Prof. Bernard Stein aus Berlin (langjähriger ständiger Gutachter), Andrew Goldstein vom Karlsruher Designteam 2xGoldstein (ständige Gutachter mit einer Stimme) und Andreas Weber vom Berliner Gestalterteam Stan Hema (Wettbewerbssieger für Kieler Woche 2016) als Vertreter des Vorjahressiegers Götz Gramlich (Heidelberg) sowie Philipp Dornberger (Leiter Kieler-Woche-Büro). Ihnen saßen als Sachgutachter zur Seite: Hauke Petersen als Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Kieler Woche, Sven Christensen als Geschäftsführer der Point of Sailing Marketing GmbH, Ratsfrau Ingrid Lietzow als Vorsitzende des Aufsichtsrates der Kieler Woche Marketing GmbH und Universitätspräsident Prof. Lutz Kipp, Vorsitzender des Kultur- und Wissenschaftssenats der Landeshauptstadt Kiel.
Verena Panhofer war überrascht, als Kiels Stadtpräsident Hans-Werner Tovar am späten Mittwochmittag in Wien anrief, um die frohe Kunde vom Sieg im Designwettbewerb für die Kieler Woche 2018 zu überbringen. Sie hatte gedacht, dass einer ihrer anderen beiden Entwürfen mehr Chancen auf den Sieg gehabt hätte.

Alle Plakat-Entwürfe des Design-Wettbewerbs zur Kieler Woche 2017 – und früherer Wettbewerbe – gibt es im Internet auf www.kieler-woche.de/design.

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Veröffentlicht am : 14.09.2017