Kieler Woche

Kieler Woche im Licht von Olympia

Kieler Woche anno 2016: Das Thema Olympia in all seinen Facetten hat die weltgrößte Segelveranstaltung fest im Griff: Die Spiele in Rio und die Erwartungen der deutschen Nationalmannschaft, die verpasste Chance auf eine Hamburg-Kieler Bewerbung für 2024 und deren Auswirkung auf die infrastrukturellen Maßnahmen im Olympiazentrum.

Zwischen Kiel und Rio: Andreas Kling (Sportjournalisten-Vereinigung) interviewte den Kieler Stadtpräsidenten Hans-Werner Tovar, DSV-Präsident Dr. Andreas Lochbrunner, Andy Hunt, geschäftsführender Vorsitzender des Weltseglerverbandes, und David Howlett, Head-Coach der deutschen Nationalmannschaft. Foto: okpress

Zwischen Kiel und Rio: Andreas Kling (Sportjournalisten-Vereinigung) interviewte den Kieler Stadtpräsidenten Hans-Werner Tovar, DSV-Präsident Dr. Andreas Lochbrunner, Andy Hunt, geschäftsführender Vorsitzender des Weltseglerverbandes, und David Howlett, Head-Coach der deutschen Nationalmannschaft. Foto: okpress

All das wurde zum traditionellen Seglerfrühstück zur Mitte der Kieler Woche mit dem Kieler Stadtpräsidenten Hans-Werner Tovar, Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer, DSV-Präsident Dr. Andreas Lochbrunner, Andy Hunt, dem geschäftsführenden Vorsitzendern des Weltseglerverbandes, und David Howlett, dem Head-Coach der deutschen Nationalmannschaft, diskutiert.

Stadtpräsident Tovar trauerte immer noch dem Bürgervotum zu Olympia nach, das in Hamburg zur Ablehnung einer deutschen Bewerbung führte. „Ich bin immer noch stinksauer, was da passiert ist. Es ist eine vertane Chance. Aber es ist nicht mehr zu ändern. Ich glaube auch, dass hier in Kiel der olympische Geist Früchte trägt. Es ist jetzt eine Frage der Psychologie, wie wir diesen Geist weiter konservieren können.“

Der Deutsche Segler-Verband hat ein entsprechendes Zeichen gesetzt und gerade am vergangenen Freitag offiziell den Umzug seiner Abteilungen Jugend, Leistungssport und Technik in das Olympiazentrum von Kiel gefeiert. „Wir müssen dort sein, wo der Sport, wo die Segler sind. Dann wird man auch als Partner akzeptiert. Unser Dank gilt der Stadt Kiel und dem Land Schleswig-Holstein für die Unterstützung“, so DSV-Präsident Lochbrunner.

Wie Kiels OB Kämpfer auf Nachfrage bestätigte, sind die zwei Millionen Euro, die das Land SH in eine Olympiabewerbung für 2024 hätte investieren wollen, weiterhin als Förderung für den Segelsport eingeplant. „Die 40 Millionen Euro an Förderung, die bei einem Zuschlag für Olympia möglich gewesen wären, wird es jetzt aber nicht geben.“ Dennoch sei eine Gesamtförderung in den kommenden Jahren durch das Land im zweistelligen Millionenbetrag möglich. Und auch beim Bund stehen Millionen-Euro-Mittel zur Abrufung bereit. „Wir müssen da in den kommenden Wochen bis Ende Juli noch die Anträge formulieren. Der Ball liegt bei uns im Feld. Das ist fast ein Elfmeter“, sagte Kämpfer mit Blick in Richtung Kiels Sportdezernenten Gerwin Stöcken, der mit einem Nicken bestätigte.

Konkrete Zahlen gab es bei der Anzahl der anvisierten Medaillen in Rio. Mit 1,5 ist der Segelsport beim DOSB gelistet. „Für unsere Stellung im Vergleich mit den anderen deutschen Sportarten ist der Gewinn von ein bis zwei Medaillen wichtig“, so Lochbrunner. „Dafür müssen wir unsere Sportler gar nicht mehr motivieren. Aber es geht auch darum, dass alle realistisch mit ihren Möglichkeiten umgehen und sich nicht selbst überfordern und nervös werden.“ Der britische Head-Coach in deutschen Diensten, David Howlett, hat dafür einfache Lösungen parat: „Ruhig bleiben, alles einfach halten und ein Umfeld unter Freunden schaffen! Die Deutschen waren zuletzt dicht dran am Erfolg. In zweieinhalb Wochen werden wir alle vor Rio trainieren, dann herrschen die gleichen Bedingungen wie zu den Olympischen Spielen.“

Dafür, dass in den Gewässer vor Rio der Zufallsfaktor bei der Medaillenvergabe reduziert wird, setzt sich der Weltseglerverband laut Andy Hunt ein: „Es muss ein faires Spielfeld frei von Müll geben – auch wenn man natürlich nie nie sagen kann. Wir üben intensiven Druck auf die Organisatoren vor Ort aus, das Gebiet zu bereinigen. Die Wasserqualität muss okay sein für einen Wettkampf.“ 13 Boote seien bis zu den Wettkämpfen im August damit beschäftigt, in den Regattagebieten Müll zu sammeln. Im Wettstreit mit anderen Sportarten sei es wichtig für das Segeln, sich gut vor Rio zu präsentieren. Für Kiel sei es schade, dass eine Olympiabewerbung derzeit nicht möglich sei, denn die Kieler Woche sei eine großartige Veranstaltung mit großer Tradition. Eine Aufwertung und Wiederaufnahme in den Worldcup-Circuit sei in Zukunft möglich.

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Veröffentlicht am : 22.06.2016