Kieler Woche

Gute Karten im Spiel um die Medaillen

Ehrgeiz, Erfahrung, überwundene Enttäuschung: Bei den deutschen 470er-Teams kommen einige Faktoren zusammen, die bei den Olympischen Spielen in Rio zu unerwarteten Erfolgen führen könnten.

Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski (München/Berlin) sind in Kiel auf Goldkurs, in Rio ist das Ziel Top Ten und besser. Foto: okpress

Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski (München/Berlin) sind in Kiel auf Goldkurs, in Rio ist das Ziel Top Ten und besser. Foto: okpress

Die Aufzählung der deutschen Medaillen-Hoffnungen für die Spiele unterm Zuckerhut wird zwar weder von Ferdinand Gerz und Oliver Szymanski (München/Berlin) noch von Annika Bochmann und Marlene Steinherr (Berlin) angeführt. Doch die 470er-Crews könnten sich noch als gute Karten im Spiel um Gold, Silber oder Bronze erweisen.
„Wir sind sicher nicht in der Position, als Favoriten in Rio an den Start gehen zu können. Aber wir haben bereits feststellen dürfen, dass auch die anderen nur mit Wasser kochen“, sagt Ferdinand Gerz. Wie gut es selbst die Flamme heiß halten kann, bewies das Duo im vergangenen Jahr, als es zum Europameistertitel segelte. Und Gerz ist neben Surfer Toni Wilhelm der einzige deutsche Segler im aktuellen Kader mit Olympia-Erfahrung. 2012 segelte er mit Patrick Follmann auf Platz 13. Diesmal sind die Top-Ten eingeplant. „Für den Tag des Medal Races haben wir uns jedenfalls nichts anderes vorgenommen“, so Gerz. Entscheidende Faktoren: „Wir müssen fit und bei Laune bleiben“, so Szymanski. Dafür wird das Team nach der Kieler Woche nach Rio zum Training reisen, zwischendurch aber noch mal nach Deutschland zurückkehren, um im „sauberen Wasser“ zu trainieren. Die Anreise für die Spiele ist dann am 2. August geplant. Für das Frauen-Team Annika Bochmann/Marlene Steinherr war eine Teilnahme an den Olympischen Spielen eigentlich schon abgehakt.

Vorschoterin Steinherr hatte sich 2011 nach der verlorenen Olympia-Kampagne an der Seite von Annina Wagner aus dem Leistungssport zurückgezogen und sich um Beruf und Familie gekümmert. Für das große Talent Annika Bochmann verliefen die vergangenen Jahre wie eine Achterbahnfahrt. Nachdem sie im Junioren-Bereich bei Welt- und Europameisterschaften alles abgeräumt hatte, brachen ihr in der Elite die Vorschoterinnen gleich in Serie weg. Junioren-Partnerin Anika Lorenz entschied sich, in den 49erFX einzusteigen, Nachfolgerin Elisabeth Panuschka wechselte zu Annina Wagner ins Boot, und mit Karoline Göltzer kam das Ende nach einer verpatzten WM in 2014. „Ich hatte da für mich akzeptiert, dass es nicht sein sollte“, so Bochmann. Doch ihr Verein, der VSaW Berlin, wollte das nicht akzeptieren und führte sie mit Marlene Steinherr zusammen.
„Wir haben dann gemeinsam im Herbst bei 20 Knoten vor Warnemünde trainiert, sind zweimal gekentert und hatten unglaublich Spaß“, so Bochmann. Mit der Teilnahme in Rio erfüllt sich nun ein Traum. „Wir werden unser Bestes geben. Es kann alles passieren“, sagt Steinherr und schließt auch danach eine Fortsetzung der Karriere nicht aus: „Wenn Olympia gut läuft, kann man daraus sicherlich Kraft schöpfen. Aber ich muss auch sehen, ob der alte Körper noch mitmacht“, so die 30-Jährige.

Junger Nachwuchs steht indes schon bereit. Bei der Junioren-WM vor Kiel liegen Malte Winkel/Matti Cipra (Kiel) auf Medaillenkurs, Frederike Loewe/Anna Markfort (Kiel) sind dafür in unmittelbarer Schlagdistanz. „Wir segeln seit zwei Jahren zusammen. Für uns ist Kiel die letzte Chance, um eine Junioren-Medaille zu gewinnen. Danach konzentrieren wir uns auf Tokio 2020“, sagt Frederike Loewe. „Der Sprung in den Senioren-Bereich ist allerdings groß“, ergänzt Anna Markfort. „Deshalb hat die Klasse auch entschieden, das Junioren-Alter hochzusetzen. Gut für uns, so können wir hier noch einmal bei der Junioren-WM dabei sein.“

Am heutigen Sonntag, 26. Juni, geht es ab 10 Uhr in den Medal Races der besten Zehn um die Kieler-Woche-Medaillen und das Preisgeld des Landes Schleswig-Holstein. Auf der TV-Bahn starten um 10 Uhr die 49erFX, danach jeweils nach 45 Minuten 49er, 470er Junioren WM/weiblich, 470er JWM/männlich und um 13 Uhr die Laser. Parallel segeln auf Bahn India Laser Radial (10 Uhr), Finn, 470 open und Narca17 (IDM/12.15 Uhr). Die übrigen Klassen gehen um 10.30 Uhr an den Start: J/70 (Delta), 420er (Echo), J/80 und Melges 24 (Foxtrott), IDM der Sonar und 2.4mR (Golf) und 470er JWM w/m ab Rang 11 auf der Bahn Juliett.

Veröffentlicht am : 26.06.2016