Kieler Woche

Entscheidungen im Minutentakt

Das Handy klingelt, Nino Shmueli unterbricht sein Gespräch, da muss er ran. Es geht um gelbe Flotten, blaue Flotten, Startsequenzen und eine Entscheidung, die schnell her muss. Der Anruf kommt von draußen, Bahn Delta, die Wettfahrtleitung dort will eine zweite Meinung. Nino Shmueli, oberster Wettfahrtleiter der Inshor- Bahnen Kieler Woche, liefert sie prompt.

Nino Shmueli hat seinen Part der Kieler Woche fest im Griff. Foto: Kristina Müller

Nino Shmueli hat seinen Part der Kieler Woche fest im Griff. Foto: Kristina Müller

„Mein Job ist es, den Kollegen da draußen zu helfen und aus einer zwei-Augen-Entscheidung eine vier-Augen-Entscheidung zu machen“, sagt Shmueli. Zwar heften die Augen des israelischen Seglers gerade an den Bootstrackern und Wettervorhersagen auf seinem Monitor, doch der Principal Race Officer (PRO) der Kieler Woche blickt auf 25 Jahre Erfahrung als Wettfahrtleiter und Jurymitglied bei Regatten in aller Welt zurück – er weiß, wovon er spricht.

Seine Tage auf der Kieler Woche sind gefüllt mit Briefings, Meetings, Telefonaten. Wettfahrtleiter, Segeltrainer, Ergebnisdienst-Mitarbeiter – mit allen steht Shmueli in engem Kontakt, den er auch zu den Seglern sucht. „Ich gehe durch die Bootsfelder an Land und spreche mit den Seglern, damit sie wissen, dass sie auch zu mir kommen können“, so der Regattachef, dessen Basislager das Büro im Regattahaus der Kieler Woche mit Blick auf die Audi Bühne, das Hafenvorfeld und, wenn er die Augen zusammenkneift, auch auf die Regattabahnen ist. Dorthin fährt er täglich, um stichpunktartig zu überprüfen, ob Bahnmarken richtig liegen und insgesamt alles getreu den internationalen Regeln für Segelwettfahrten abläuft.

Das Wasser vor Kiel kennt Shmueli, bereits zum zweiten Mal agiert der Israeli als Wettfahrtchef der Kieler Woche, die in diesem Jahr - genau wie für viele der Segler – auch für Shmueli ein besonderes Training darstellt: Im Sommer wird der 55-Jährige als oberster Wettfahrtleiter eines knapp 200-köpfigen Teams die Segelspiele in Rio managen. Und doch – die Kieler Woche sei aus PRO-Perspektive eine Herausforderung ganz eigener Art: „Das liegt daran, dass hier so viele Klassen auf so vielen Bahnen starten. In jedem Teil der Kieler Woche, international und olympisch, segeln mit knapp 1000 Booten gut dreimal so viele wie bei den Olympischen Spielen.“, so Shmueli, der seine aktive Segellaufbahn im Opti und 420er begonnen hatte, dann jedoch aus beruflichen Gründen beendet und erst Jahre später auf Bigboats wieder aufgenommen hatte. Heute ist er als Präsident der internationalen 420er-Klassenvereinigung und Vizepräsident der internationalen 470er-Klassenvereinigung auch wieder im Jollenbereich aktiv.

„Ich bin gerne hier in Kiel. Das Team und die Organisation ist super“, lautet das Fazit des Regattaexperten. „Der erste Teil war super, der zweite aufgrund der Windbedingungen schwierig.“ Gerade an Tagen, an denen wie am vergangenen Mittwoch dank der andauernden Gewitterwarnungen die Entscheidungen über segeln oder nicht segeln im Minutentakt gefällt werden müssen, wirkt Shmueli angespannt.

„Ich bin glücklich, wenn abends alle wieder heil vom Wasser zurückgekehrt, alle Ergebnisse richtig auf dem Papier und keine Anfragen mehr offen sind.“ Erst dann ist der Arbeitstag des Kieler-Woche-Wettfahrtchefs vorbei.

Auch auf den Regattabahnen folgen heute die Ergebnisse Schlag auf Schlag. Auf dem Bahnen Hotel und India werden die Medal Races im 45-Minuten-Takt gestartet.

Den Auftakt machten die 49er FX. Im Frauenskiff wiederholten Tina Lutz/Susann Beucke ihren Erfolg von 2013 und holten Gold vor Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) und den Kieler Zwillingen Jule und Lotta Görge. Im Laser Radial verteidigte die Norwegerin Tiril Hartvedt Bue den ersten Platz vor der Finnin Monika Mikkola und Svenja Weger (Berlin).

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Veröffentlicht am : 26.06.2016