EM: Nacra 17, 49er und 49erFX

Europameisterschaft als Kat-Testlabor

Leichte Winde sorgten am dritten Tag der Europameisterschaften der 49er, 49erFX und Nacra17 in Kiel (27. Juli bis 4. August) für Startverzögerungen bei der ersten Wettfahrt des Tages. Danach blies der Wind schwach, aber konstant.

Tina Lutz/Susann Beucke legten mit zwei Siegen und einem zweiten Platz eine traumhafte Serie hin. Der Lohn: Rang drei in der Gesamtwertung. Fotos: Petros Martines/Sailing Engergy

Tina Lutz/Susann Beucke legten mit zwei Siegen und einem zweiten Platz eine traumhafte Serie hin. Der Lohn: Rang drei in der Gesamtwertung. Fotos: Petros Martines/Sailing Engergy

die Brise zauberte den Briten Ben Saxton/Katie Dabson ein breites Lächeln aufs Gesicht. „Nur sieben Knoten Wind und wir sind vorm Wind trotzdem am Foilen“, schwärmten die Europameister von 2015. Nach den Rennen in der Qualifikationsrunde, die heute endete, gehen die Teams der Skiffs und Kats ab Mittwoch in die Finalrunde, um sich für das Medal-Races am Freitag zu positionieren. Für die deutschen Crews gab es dabei neben viel Licht auch Schatten. Das Ziel Titelverteidigung steht für Saxton/Dabson bei den fliegenden Katamaranen nicht im Vordergrund, denn auch sie hatten ihren Nacra17 mit Z-Foils erst am 12. Juli bekommen. Da blieb nicht viel Zeit, sich auf das Boot einzustellen. „Wir probieren einfach aus und haben Spaß“, so Saxton. „Jeder ist hier am Lernen“, sagte er mit Blick auf die Konkurrenz, die er als hochkarätig bezeichnet. „Es ist ein starkes Feld.“ Die nächsten Tage soll es wieder windiger werden. Dann müsse wieder alles klappen, um nicht doch noch zu stürzen. Im letzten Rennen des Tages überquerten die Briten als Erste die Ziellinie. Insgesamt liegen sie auf dem fünften Rang. An der Spitze gab es einen Führungswechsel. John Gimson/Anna Burnet (Großbritannien) haben sich mit zwei Siegen in den drei Rennen und einem dritten Platz vor die Italiener Ruggero Tita/Caterina Banti und Fernando Echavarri/Tara Pacheco (Spanien) geschoben. Viel Spaß beim Ausprobieren haben Jan Hauke Erichsen und Ann Kristin Wedemeyer (Flensburg) derzeit nicht. Es ist eher ein ratloses Kopfschütteln über den momentanen 19. Platz. „Uns fehlen zehn Grad an Höhe auf der Kreuz und ein Knoten an Speed“, erklärt Erichsen. Im Training habe sich dies nicht abgezeichnet, doch jetzt bei der Regatta segeln sie unter ihren Möglichkeiten. „Das müssen wir für die WM in den Griff bekommen“, suchten die beiden bei der Renn-Analyse nach Gründen. Einer könnte in der Ausrüstung liegen. Erichsen/Wedemeyer fahren mit einem alten, umgebauten Boot. Die neuen Kats haben aber eine andere Steifigkeit als die umgerüsteten. Erichsen vermutet, dass durch den Gennaker „mehr Power auf dem System“ ist, und somit die Steifigkeit rennentscheidend ist. Nun komme es darauf an, den Tag abzuhaken und morgen wieder das Beste zu geben und rauszuholen, was geht. Auch die besten Deutschen, Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer (Kiel), erwischten einen mäßigen Tag und rutschten auf Platz acht ab. Bei 25 Crews kommt es zu keiner Gruppeneinteilung in Gold und Silber. Bei den leichteren Winden hatten zudem die leichteren Teams Vorteile. Das gilt auch für die Kats in der C-Foil-Variante. In diesem Feld konnten Tom Heinrich (Kiel) und sein norwegischer Vorschoter Mathias Mollat aufgrund des Gewichts die guten Ergebnisse der Vortage nicht wiederholen. Sie hoffen nun auf mehr Wind. Die deutsch-norwegische Kombination fiel auf Platz fünf zurück. Pip Pietromonaco/Conor Nicholas (Australien) ersegelten sich die Spitzenposition. Dahinter reihten sich Calle Sørensen/Daniel Bjørnholt (Dänemark) sowie Paul Darmanin/Lucy Copeland (Australien) ein. Im Feld der 49erFX wurde am dritten Regattatag so einiges durcheinander gewirbelt, und die deutschen Mädels machten einen Sprung nach vorne. Tina Lutz und Susann Beucke (Prien/Strande) legten mit zwei Siegen und einem zweiten Platz eine traumhafte Serie hin und eroberten sich so den dritten Rang im Gesamtklassement. Die Dänen Jena Hansen/Katja Salskov-Iversen mussten ihre Führungsposition an Annemiek Bekkering/Cecile Janmaat (Niederlande) abgeben. Auch die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz segelten sich mit zwei dritten und einem vierten Platz nach vorn, liegen nun auf dem sechsten Gesamtrang – gute Voraussetzungen für die Heimteams, um in den nächsten Tagen in den Medaillenkampf eingreifen zu können. Ebenfalls in der Goldflotte der besten 20 Crews dabei sind die Junioren Gwendal Lamay/Luke Willim (Hamburg/Schleswig) als Siebte und die Kielerinnen Jule und Lotta Görge, die auf Platz 16 liegen. Die 49er-Männer beendeten nach zwei Wettfahrten den Tag. Die Spitze blieb unverändert: Dylan Fletcher-Scott/Stuart Bithell rangieren vor James Peters/Fynn Sterritt (beide Großbritannien). Auf Rang drei liegen die Australier David Gilmour/Joel Turner. Beste Deutsche sind aktuell Tim Fischer/Fabian Graf (Hamburg) auf Rang 13, direkt gefolgt von Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (Simsee). Die beiden Nachwuchs-Crews des DSV haben sich damit für die Goldflotte der Finalrunde qualifiziert. Nicht dabei waren hingegen Justus Schmidt/Max Boehme. Die Europameister von 2015 verpassten auf ihrem Heimatrevier als 21. die Runde der besten Crews genau um einen Platz. Allerdings lief in den Abendstunden wegen eines Crash noch ein Protest in der 49er-Klasse. Bei einer Jury-Entscheidung zugunsten von Schmidt/Böhme würden die Kieler doch noch in der Verlängerung in die Goldflotte gelangen. Am Freitag ziehen die besten Boote aus jeder Klasse in die Medal Races ein. Das Finale wird direkt auf der TV-Innenbahn, der Bahn „Hotel“, im Theater Style ausgetragen. Vorgesehen ist es, dass als erste die besten acht Nacra 17 Full Foiling mit ihren Medal Races starten. Ihr Zeitfenster ist auf etwa 12 bis 13.15 Uhr festgelegt, bevor dann die zehn besten 49er von 13.15 bis 14.30 Uhr um den Titel segeln. Den Abschluss machen die zehn führenden 49erFX von 14.30 bis 15.30 Uhr. Das Regattafeld ist in diesem Fall wie ein Spielfeld begrenzt, sodass die Zuschauer direkt an das Regattafeld gebracht werden und das Rennen hautnah erleben können. Die Organisatoren des Kieler Yacht-Clubs und Norddeutschen Regatta Vereins wollen so möglichst vielen Menschen spannende Wettfahrten aus nächster Nähe bieten. Die Wettfahrten der Goldfleet und die Finale werden von 2. bis 4. August via Youtube live gezeigt: http://youtube.com/49ersailing Alle Ergebnisse finden Sie unter: ; www.manage2sail.de

Wie beurteilen Sie die Wetterlage nach diesem Artikel?


Flaute
 
Brise
 
Böe
 
Sturm
 
Orkan
 
Regatta Alle Artikel
Veröffentlicht am : 01.08.2017