Kieler Woche

Deutsche Olympiabewerbung steht weiter auf der DOSB-Agenda

Es war ein Bild wie aus einem Werbeprospekt: blauer Himmel, glitzerndes Wasser, weiße Segel vor Kieler Silhouette. Ein Bild, wie man es sich als Kulisse für Olympische Spiele sehr gut hätte vorstellen können. Ein wenig Wehmut mag daher auch bei Alfons Hörmann, dem Präsidenten des DOSB, mitgeschwungen haben, als er einen der Startschüsse für die Aalregatta zum Kieler-Woche-Auftakt gab.

Der höchste Repräsentant des deutschen Sports, DOSB-Präsident Alfons Hörmann, schoss die Aalregatta der Kieler Woche an. Foto: www.segel-bilder.de

Der höchste Repräsentant des deutschen Sports, DOSB-Präsident Alfons Hörmann, schoss die Aalregatta der Kieler Woche an. Foto: www.segel-bilder.de

Denn nach dem ablehnenden Bürgerentscheid über eine Hamburg-Kieler Olympia-Bewerbung für 2024 wird es vorerst keine Spiele in Deutschland geben. Doch als vollends geplatzt sieht der DOSB-Präsident den Traum von Olympia in Deutschland nicht und stimmt darin mit Klaus Bouillon überein. Der Vorsitzende der Sportminister-Konferenz und Innenminister des Saarlandes war ebenfalls zum Start der Aalregatta nach Kiel gekommen.

Obwohl Hörmann aus dem Allgäu stammt, war der Besuch in Kiel fast so etwas wie ein Heimspiel. Während der Vorbereitung der deutschen Olympiabewerbung hatte er Kiel häufiger besucht, und vor einigen Jahren frönte er ebenfalls dem Segelsport, hatte einen Laser auf dem Rottachsee liegen. Als ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Creaton AG, einer Dachziegelfirma, hatte er zudem Philipp Buhl, Deutschland derzeit besten Laser-Segler, unterstützt. Hörmann ist also durchaus segelaffin und genoss den Blick auf die vorbeiziehenden Yacht-Flotten auf der Förde.

Der Blick in die Zukunft des deutschen olympischen Segelsport ist für Hörmann ebenfalls nicht so grau wie es scheint: „Eine Olympiabewerbung bleibt auf unserer Agenda. Das ist sogar in unserer Satzung festgeschrieben. Allerdings sieht man an den verschiedenen Versuchen der Vergangenheit, dass es leichter gesagt als getan ist.“ In diesem Herbst erwartet Hörmann vom IOC eine Doppelvergabe der Spiele 2024 und 2028 an die aktuell verbliebenen beiden Bewerber Paris und Los Angeles. „Dann stellt sich die Frage wieder frühestens für 2032 und eine IOC-Entscheidung in 2025. Wir müssen sehen, ob es uns bis dahin gelingen kann, die Bevölkerung von den Vorteilen von Olympischen Spielen zu überzeugen. Aber nicht nur wir, sondern auch das IOC hat noch Hausaufgaben zu machen und seinen Kurswechsel überzeugend darzulegen.“

Den Aufenthalt in Kiel nutzte Hörmann auch, um mit Klaus Bouillon über die Reformen des Leistungssport in Deutschland zu sprechen. Auch Bouillon bedauerte, dass es nicht zu einer deutschen Bewerbung für 2024 gekommen ist. „Das Marketing hätte man besser vorbereiten müssen. Ich glaube, man war sich in Hamburg zwischenzeitlich zu sicher, dass es klappen wird.“ Auch Eitelkeiten zwischen Berlin und Hamburg hätten dazu geführt, dass die Kommunikation zwischen den einzelnen Ebenen und damit die Überzeugungsarbeit nicht ideal gelaufen ist. „Wenn tatsächlich alle Argumente auf dem Tisch gelegen hätten, wäre die Befragung sicher anders ausgegangen. Die Planungen in Hamburg waren ein Idealbeispiel, wie Olympia nachhaltig hätte gestaltet werden können. Die nötige Infrastruktur wäre da und das Bauen am Wasser zukunftsweisend gewesen. Bei einer erneuten Bewerbung und einem Bürgerentscheid muss herausgestellt werden, wie die Regionen von den Olympischen Spielen profitieren könnten. Ich gehe davon aus, dass eine erneute Olympiabewerbung kommen könnte.“

Mit heimischen Spielen könnte der deutsche Sport insgesamt einen Schub erfahren. Aus Sicht von Hörmann gibt es derzeit eine ausgeprägte Zwei-Klassen-Gesellschaft in den einzelnen Sportarten mit steigender Tendenz: „Es ist schön einen starken DFB zu haben, aber Sportdeutschland leistet viel mehr. Es ist unser Auftrag, die Balance zu halten.“ Doch der DOSB-Präsident glaubt, dass eine Kehrtwende bevorstehen könnte. „Der große Fußball-Hype nach dem WM-Gewinn beginnt zu bröckeln. Auch Vereine wie der FC Bayern müssen sich überlegen, ob sie sich die hohen Ablösesummen und Gehälter leisten können.“ Die Gratwanderung zwischen wirtschaftlichem Handeln und dem Erfinden neuer Einnahmequellen gelinge dabei nicht immer. Wenn der Sport zum Kommerz verkomme, wie gerade bei der Meisterfeier des FC Bayern mit Go-Pro-Kameras auf den Biergläsern und dem Helene-Fischer-Auftritt beim DFB-Pokalfinale geschehen, dann spielen die Fans dieses Spiel nicht mehr mit.

Dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen dabei das Bieterrennen um die TV-Rechte für die Fußball-Champions League verloren habe, könne auch eine Chance für andere Sportarten sein. „Es können sich neue Fenster öffnen. Und das öffentlich-rechtliche Fernsehen war in der Vergangenheit ein verlässlicher Partner für den deutschen Sport“, sagt Hörmann.

Wie beurteilen Sie die Wetterlage nach diesem Artikel?


Flaute
 
Brise
 
Böe
 
Sturm
 
Orkan
 
Kieler Woche Alle Artikel
Veröffentlicht am : 17.06.2017